Da sitze ich nun und denke. Ein Moment des Aufruhr. Küsse. Jugend. Das alles liegt doch so weit, sehr weit zurück. Warum hole ich jetzt die Vergangenheit ?

Nun ein ein paar Gründe nichts zu notieren gab es schon. In den siebziger Jahren gab es noch kein Blog. Tagebuch führen war nicht mein Ding.  Und nach den sieben Monaten die meine erste Liebe währte, wäre ich gar nicht in der Lage gewesen, überhaupt etwas zu notieren. So groß war zuerst einmal der Trennungsschmerz.

Ich habe gelitten wie ein Hund der sein Herrchen verloren hat. Die Tatsache, das meine Liebe es war, die unsere Beziehung beendet hat, war für mich unbegreiflich. Das Wort Ende, erschütterte mich tief bis ins Mark. Es war einfach unfassbar. Das überschritt meinen jungen Horizont komplett. Vom Kopf bis in die Füße, wurde nach dieser Ansage, vor meinem inneren geistigen Auge, mit einem Schlag alles Dunkel.

Einer Ohnmacht nahe, schwankte die Erde unter mir wie bei einem Erdbeben. Es war wie ein Blutsturz. Alles Blut rauscht aus deinem Kopf bis in die Füße.

Jeder Schritt nach Hause an diesem Tag tat einfach nur furchtbar weh. Meine Füße wollten mich gar nicht vorwärts tragen, als stapfe ich durch tiefen Wüstendand oder Schlamm in einem Teich. 

Am liebsten wäre ich zurück gelaufen. “Ich habe dir noch etwas zu sagen. Bitte hör auf mich. Ich brauche Dich!”, wollte ich rufen. Doch die Worte wollten meinen Mund nicht verlassen. In meinem Schädel kreiste nur ein Gedanke: Wie lässt sich das noch einmal ändern? Was nur, habe ich eigentlich falsch gemacht?

Und bei dieser Frage kommen immer mehr  Erinnerungsfetzen. Mir fällt alles  wieder ein. Als wäre es heute morgen passiert. Schlimm. Die vielen einsamen Nächte danach. Von tiefem Schluchzen geschüttelt. Das Kissen immer wieder nass von meinen Tränen.

Ich habe bis heute nicht begriffen das Augen, die vorher an so vielen Tagen so glücklich geglänzt hatten, so viel Wasser verlieren können. Ohne aus zu trocknen. Ich weiß noch genau wie tief ich getroffen war.  Wie ich meine Geliebte demütig angebettelt habe. Das wir zusammen bleiben. Ich hätte alles versprochen und alles getan. Ich hätte meine Hand, ja mein Leben für sie gegeben. Und keiner konnte es verstehen das ich li

Keiner konnte mich beim Verlust der ersten Liebe trösten

Natürlich gab es Trost. Aber der fühlte sich oberflächlich, gefühllos und roh an. Dieser Trost verursachte eher noch mehr Schmerz. Freunde und Familienangehörige  trösten oft nur mit den Argumenten, den sie als Makel an der geliebten Person erkannt haben. “Das hätte ich Dir gleich sagen können, das die ein Luder ist!” Himmel! Wer braucht einen solchen Satz von seiner Mutter als Trost?

Ach lass mich du dusselige Kuh habe ich gedacht und mich Schulter zuckend abgewandt. Als hätte die auch nur die geringste Ahnung davon, was ich erlebt hatte und wie wertvoll mir meine Gefühle waren. Solchen Trost liebe Welt, kannst du dir sonst wo hin schieben.

Wir haben uns nie wieder gesehen. Ich habe meine erste Liebe aus den Augen verloren. Ich weiß nicht wo sie lebt und wie sie heute heißt. Vielleicht ist sie ledig, oder hat Kinder, oder lebt vielleicht schon gar nicht mehr. Und doch ist sie immer noch bei mir. Tief drinnen. Ich habe das gemeinsam erlebte Gefühl nie verloren. Ich habe meine Liebe zu Ihr nie wirklich aufgegeben. Warum auch? Schöne Dinge sollte man in seinem Herzen bewahren. Das ist meine Erkenntnis. Jede Liebe ist auch ein Lernprozess.

Ich habe ihr nie einen Vorwurf gemacht und danach, ja fast bis auf den heutigen Tag, immer wieder nach genau nach diesem Gefühl gesucht. Das ist wie eine Sucht. Eigentlich war ich auf Droge. Die Sucht der Liebenden. Das auch der andere so empfindet wie du. Vollkommen. Erfüllt. Die Liebe eben. Einen Entzug gab es im für mich nie. Und doch verändert das Alter die Sucht.

Oder umgekehrt, die Wertigkeit der Liebe  verändert die Sucht. Sie wandelt sich mit uns. Die Liebe geht immer mit uns, doch sie verändert ihre Form in unserer Wahrnehmung. Wenn wir sie erfahren haben, bleibt sie stets in uns. Manchmal vergessen wir durch den Alltag, das sie da ist. Dieser Schatz bleibt jedoch tief in unserem Innern erhalten.

Ich bin sogar letztes Jahr zufällig an ihrem damaligen Wohnort vorbeigefahren.  Der Gebäudekomplex in dem sie lebte, war eine alte Industriewäscherei. Sie war das Kind eines traditionellen Familienunternehmens. Dort wo sie wohnte, ist immer noch alles am selben Platz. Doch die Betriebsamkeit von ehedem die ist nicht mehr. Der Betrieb ist geschlossen. Das Umfeld hat  sich verändert und wirkt öde.

Nur die lange  Straße mit den Kastanien, unter denen wir Hand in Hand von der Arbeit  nach Hause gingen, wirkt noch immer wunderschön. Es ist jedoch nicht mehr das, was es einmal war. Und doch könnte sie gleich zwischen den Gebäuden, wie einst um die Ecke kommen. Ich fühle, ich würde im Boden versinken.

Andererseits  könnte ich ja nachsehen, ob da noch jemand wohnt mit diesem Namen. Ich wage es nicht. Kein Mut. Ich betätige den Anlasser an meinem Motorrad, drehe auf dem Platz und reiße den Gashahn auf. Kratze so schnell es geht  die Kurve. Vielleicht wollte ich die Wahrheit nicht erfahren. Keine Ahnung. Nur weg. Aus Gründen.

Genau jetzt, während die ersten Zeilen hier erscheinen stelle ich mir die Frage: „Muss ich jetzt darüber schreiben? Warum gerade jetzt?“

Eine  Antwort, die ich finde ist die, dass ich von Tag zu Tag älter werde.  Im Augenblick kommen die Einschläge in meinem Umfeld näher.

Freunde,Familienangehörige um mich herum, werden plötzlich krank und sterben. Vorgestern habe ich sie noch  getroffen und ein paar Tage später, stehe ich am Grab eines guten Freundes. Er hat sich auf einen anderen Weg begeben. Zurück bleiben ungeklärte Fragen. Wenn andere  Menschen aus seinem Freundeskreis  beim Leichenschmaus Geschichten erzählen, von denen du nicht die Bohne Ahnung hattest, dann begreifst du, oder ich, da waren noch ein paar Fragen, die das Bild des Toten  abgerundet hätten.

Es ist schade, wenn von uns geliebte Menschen keine Antworten mehr geben. Es fühlt sich so leer an. Als mein Vater starb war ich sicher, dass keine Fragen offen waren. Denn wir haben viel gesprochen in den dreißig Jahren in denen wir täglich zusammen gearbeitet haben. Wir haben immer offen miteinander geredet. Selbst heute habe ich keine Fragen mehr, sondern ich könnte sein Leben, seine Gefühle und Gedanken fort schreiben.

Ich habe sogar oft überlegt, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Ich fand seine Story immer wichtiger, als meine Eigene. Ich fand sein Leben war so unglaublich spannend. Er war Jahrgang 1931, in einer Zeit aufgewachsen, die unsere Nation geprägt hat.

Klaro schreibe ich meine Geschichte weiter

Und wieder eine spannender Augenblick in meiner Gedankenwelt.  Soll ich es nicht lieber lassen? Will ich noch einmal so weit zurück in die Vergangenheit? Ich spüre gerade jetzt das meine Erfahrungen in Sachen Liebe nicht erst mit 17 begann. Deshalb müssen wir ein Stück weiter zurück in meine Vergangenheit. Und deshalb.Klaro schreibe ich jetzt weiter. Es beginnt Spaß zu machen und die Gedanken tragen mich voran. Ich muss nur aufpassen, das ich alles richtig auf die Kette kriege.

Kinder fragen ihre  Eltern gerne: “Wie war es denn in Deiner Jugend Papa?” Mein Sohn ist jetzt fünfzehn. Der kommt jetzt erst in das Alter, in dem er seine erste Liebe erfahren wird. Das Alter in dem er Fragen stellen könnte, oder eine Enttäuschung erleben könnte. Das liegt also noch weit in seiner  Zukunft.  Mein Gedanke. Wer weiß ob ich dann noch da bin?

Geschichten die unsere Eltern erlebt haben, sind für uns prägend. Oder hilfreich, um eine schwierige Situationen die uns widerfährt, zu bewältigen.  Wenn dieses Kapitel meines Lebens fertig ist, werde ich sagen: “Junior, wenn du etwas über mein Liebesleben wissen willst, kannst du es ja an deinem PC lesen.” Das finde ich gerade, ist ein unglaublich kühler Gedanke.

Mein Verstand meldet: Ich würde es ihm auch erzählen, wenn ich noch lebe und Fragen in Sachen Liebesleben im Raum stünden. Ja logisch würde ich das. Und jetzt bin ich mit meiner Entscheidung fast am Ziel.

Zum Schluss meiner Gedanken, wäre es möglicherweise sogar eine nette  Geschichte für eine völlig fremde Person. Vielleicht ist da draußen im Universum jemand der fühlt wie ich. Hallo? Der die erste Liebe genauso  im Unterbewusstsein bewahrt hat wie ich und sich dann wiederfindet. Oder Jemand, der mehr über mich wissen will. Jemand, der bisher sein Herz und seine Gefühle der Liebe noch gar nicht geöffnet hat.

Kühl. Alter.  Ich lache.  Am Ende erreiche ich gar die Person, die eng mit meiner  Geschichte verknüpft war. Doch ich denke, dass Sie diese Geschichte schon vor langer Zeit  abgehakt hat. Schätze wenn du sie fragst, wird sie sich an nichts erinnern. Egal. Alle Aspekte sprechen für die Liebe und das finde ich unglaublich spannend und wertvoll. Vor allem meine Gefühle bei allen Überlegungen. Ich kann mir an dieser Stelle ein Grinsen nicht verkneifen. Du Tuppes. Echt jetzt? Ja!

Selbstredend mache ich mir wenn ich das hier aufschreibe, auch für Zukunft eine Freude. Sollte ich einmal desorientiert werden, könnte ich meine eigene Geschichte noch einmal lesen. Und am Ende erkenne ich mich dann noch einmal wieder und beschere mir damit vielleicht einen glücklichen Augenblick.

Die Gefühle, Gedanken, Gerüche und alle meine Sinne, führen mich jetzt noch einmal in die Zeit zurück. Mit der  Vorfreude darauf, ist es  ein gefühlsduseliger, herrlicher  Augenblick. Ein Moment der Rührung. Man sollte seine Gefühle  stets pflegen und  bewahren. Trauer. Freude. Liebe. Herrlich.

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