VOLVER die DVD- Ein faszinierend verrücktes Filmmärchen

Ein faszinierend verrücktes Filmmärchen…..mit großen Momenten menschlicher Wahrheiten

Gerade erschien die DVD VOLVER, ein Film, den ich im Kino sehr geliebt habe.
vover.jpg Pedro Almodovar 2006:
Volver - (zurückkehren) DVD Rezension von Werner Matrisch

Etwas ist sehr erstaunlich bei Pedro Almodovar: Seit „Alles über meine Mutter“ diesem kaum umstrittenen Meisterwerk aus dem Jahre 1999, steigert er sich von Film zu Film. Dabei beeindruckt er die Filmwelt immer wieder neu mit seiner spezifischen Beschäftigung originellster Themen, ohne sich zu wiederholen. Auch VOLVER, sein bislang letzter Film überraschte und verzauberte Kritiker und Zuschauer.

Hier den Inhalt von VOLVER zu beschreiben erspare ich mir aus zwei Gründen: Erstens ist die „fabelhaft“ komplexe Story kaum in Kürze wiederzugeben, und zweitens möchte ich keinen Zuschauer um das große Vergnügen bringen, den unglaublichen Zauber, all die verrückten Wendungen der Geschichte Schritt für Schritt wahrlich verwundert mit zu erleben.

Skurrilität, Verzweiflung, Liebe, Tod und der Glaube an Menschlichkeit verknüpfen sich hier auf raffinierteste Weise.

In VOLVER möchte man manchmal nicht glauben, was man sieht.

Aber Almodovar schuf mit VOLVER keine Groteske. Zu groß, echt und unübersehbar ist seine Liebe für seine Helden, den Frauengestalten, als dass er sie zu Karikaturen macht. Der Reihe nach werden diese unterschiedlichen Frauencharaktere wahr und liebevoll von ihm gezeichnet, wobei die Gestalt der lebensklugen Raimunda, eine großartige Rolle für Penelope Cruz, absolut fokussiert ist.

Selten hat man die Cruz so authentisch gesehen. In vielen Besprechungen wurde sie mit der jungen Sophia Loren verglichen . Zu Recht: Tatsächlich gibt ihr diese Rolle die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Facetten einer Person mit viel Charme und Erotik auszuspielen. Das Ergebnis ist wunderbar und brachte ihr neben vielen Preisen sogar eine Oscarnominierung als beste Schauspielerin ein.

Vielleicht ist es eine der berührendsten Szenen des Films, wenn Raimunda den Song „Volver“ singt. Die Stimme der Sängerin Estrella Morente wurde unterlegt, aber der Song kommt dennoch so echt von Penelope Cruz’ Lippen, ihr Gesicht lebt so sehr das Lied, dass man keinen Moment an der Echtheit zweifeln möchte. Während Raimunda singt, steht draußen ein Auto, in dem sich ihre Mutter ( gespielt von Carmen Maura) versteckt hält. Es ist ihr sehnlichster Wunsch, ihre Tochter Raimunda wieder zusehen. Sie darf sich nicht zeigen, und kann nur mit Wehmut, aber doch lächelnd dem Gesang ihrer Tochter lauschen, und dabei ihren Erinnerungen nachgehen. Die Szene ist stark und schön. Gleichzeitig auch ein wenig unwirklich. In all seiner emotionalen Buntheit erzählt, könnten sogar Männern in diesem reinen „Frauenfilm“ die Augen feucht werden, weil alles doch so echt wirkt! PENG, das sitzt! Hier schlägt die ureigene Almodovarsche Erzählkunst zu und überwältigt uns.

In geradezu krassem Gegensatz zur Kompliziertheit seines vorherigen Films „La mala educacion -Schlechte Erziehung“ erzählt Almodovar in VOLVER die Geschichte trotz aller unwahrscheinlichen Ereignisse auf einfache, klare Weise. Die Dialoge sind so verständlich, beinahe simpel gehalten, dass auch ein10jähriger sie verstehen könnte. Dabei gelingt es Almodovar fast nebenbei, in diesem Film den gespenstigen Aberglauben und die Vorurteile der Landbevölkerung zu skizzieren, und deren Naivität deutlich zu machen. Auch die in Spanien so beliebten Family-oder Reality-shows werden von ihm gehörig auf’s Korn genommen: Eine Schwester von Raimunda wird in ihrer Funktion als perfide Showmasterin gnadenlos bloßgestellt, und damit gleich das ganze traurig-dumme Gewerbe!

Das gesamte Frauenensemble spielt grandios und bekam gemeinsam den Preis als „beste Darstellerin“ auf den 59. Filmfestspielen von Cannes. Trotzdem sei es erlaubt, neben Penelope Cruz auch noch auf Carmen Maura hinzuweisen. Mit Bravour spielt sie die andere große zentrale Rolle des Films. Sie berührt uns tief mit ihrer Darstellung, und besticht durch ihren Mut sich eher ungeschminkt und äußerlich beträchtlich gealtert zu zeigen. Mal ist sie ganz realistisch die sich sorgende Mutter, aber ganz unvermittelt erinnert ihr Treiben auf der Leinwand auch an eine skurill-liebevolle Fee.

In diesem Film ist es die große Kunst von Almodovar, sonderbares bis kurioses Geschehen mit einzigartiger Leichtigkeit und auch Humor zu zeigen. Wie immer bindet er die Zuschauer in eine spannende, sich ganz selbstverständlich aufbauende Geschichte. Die Handlung gerät niemals in Leerlauf, sondern geht weiter und weiter und hält verblüffende Einfälle parat. Und das hat nicht nur größten, vergnüglichen Unterhaltungswert, sondern trifft uns oft genug mit großen Momenten menschlicher Wahrheiten.

Es ist schwer, eine richtige Genrebezeichnung für VOLVER finden. Es ist kein Drama, aber auch kein wirkliches Melodram. Es ist mehr als eine Komödie, aber auch unter „Tragikkomödie“ verstehe ich etwas anderes. Man verlässt das Kino mit heiterer Entspanntheit und ist vollkommen zufrieden. Den Film lässt man zurück wie einen schönen, leicht melancholischen Traum, an den man sich gerne erinnern möchte.

Kommentare

This entry was posted on Sonntag, März 4th, 2007 at 20:29 and is filed under Werner's Jazz Rezensionen. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Zum Ende springen und Antwort schreiben. Ping ist nicht mehr erlaubt.
1 Kommentar

  1. Friedhelm am März 19, 2007 10:45

    Eine Welt ohne Männer?
    So positiv das Bild der Frau in Volver gezeichnet wird, so negativ ist das der Männer. Und davon sind gar nicht einmal viele in diesem Film anzutreffen. Entweder sind die Ehegatten seit Jahren tot, ziehen in eine andere Stadt oder sind, wie Paco unsympathisch und vulgär skizziert, dass ihr Tod nicht zu betrauern, sondern zu bejahen ist. In dieser Konstellation von Humor und Melodramatik knüpft Almodóvar an die eigenen Traditionen seiner hysterischen Komödien an die ja wohl eher Frauen in den Vordergrund heben.
    Ich finde Männer kommen da zu kurz deswegen mag ich den Film nicht.

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