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	<title>Jazzie News  Jazz Events Live Musik Koeln &#187; cicero</title>
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	<description>Jazz-Konzerte-Festivals- Termine- Rezensionen</description>
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		<title>Roger Cicero   SENSATIONELLE MOMENTE  Konzert In Der Lanxessarena</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 13:52:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[cicero]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz Live]]></category>
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		<description><![CDATA[Köln- Roger Cicero und Bigband in der Lanxessarena 14. März 2012 Es gab einige Menschen, die auf Ciceros neuer, mehr poporientierter CD „In diesem Moment“ die Dominanz des Bigband-Sound vermissten. Eben diese CD, deren Titel auch das aktuelle Tourprogramm darstellt, wird von Cicero bis auf einen Song komplett gespielt – und es stellt sich heraus, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Köln- Roger Cicero und Bigband in der Lanxessarena 14. März 2012</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-1.jpg"><img class="size-full wp-image-1472 alignleft" title="cicero-2012-1" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-1.jpg" alt="" width="520" height="399" /></a></p>
<p>Es gab einige Menschen, die auf Ciceros neuer, mehr poporientierter CD „In diesem Moment“ die Dominanz des Bigband-Sound vermissten. Eben diese CD, deren Titel auch das aktuelle Tourprogramm darstellt, wird von Cicero bis auf einen Song komplett gespielt – und es stellt sich heraus, dass im Konzert seine Bigband durchgängig von höchster Präsenz ist. Zeitweilig hatte ich sogar das euphorische Gefühl, diese Band nie zuvor in einer solchen Brillanz und mitreißenden Spiellaune erlebt zu haben. Lutz Krajenski, der ehemalige Bandleader und großartige Arrangeur ist leider nicht mehr dabei – aber die bange Frage nach neuen und guten Livearrangements wurde positiv beantwortet. Wie ich hörte, wurden viele Arrangements von den einzelnen Musikern erarbeitet, und erfreulicherweise war fast jeder der dreizehn Bandmitglieder mit einem Solo – kurz oder auch mal länger – zu hören. Posaunist Uwe Granitzka wurde der neue musikalische Leiter – und wie man sich live überzeugen konnte, hat er die Band fantastisch „im Griff“.<span id="more-1470"></span></p>
<p>Nach einem imposantem Bigband-Intro stürmt Cicero auf die Bühne und startet mit „Alles kommt zurück“, dem Song, der auch auf seinem Album der erste ist. Zum Text dieses Songs und auch zu den anderen Texten seines neuen Programms ist zu sagen, dass sie zwar immer noch den Wortwitz, die augenzwinckernde Ironie beinhalten – aber doch auch in vielen Teilen direkter, persönlicher und sensibler klingen.<br />
Für mich sind die neuen Texte hintersinniger, und selbst am folgenden harmlos erscheinenden Textbeispiel spürt man doch, dass eine größere Ernsthaftigkeit die Jetztzustände oder eigenen<br />
Befindlichkeiten gefühlvoller beschreiben, als die frühere, kesse Flapsigkeit: „&#8230;am Kühlschrank seh ich unsre Polaroids noch hängen, sogar die sind heute wieder &#8220;in&#8221;, das gilt so oft, aus alt mach neu, doch was man wieder haben will, ist ein für alle mal vorbei &#8230;“</p>
<p>Beim Livesound der neuen Cicerosongs ist zu erkennen, dass seine CD „mainstreamiger“ oder poporientierter klingt, weil dort tatsächlich die Bigband zu Gunsten eines anderen, aktuellen<br />
Sounds „runtergedreht“ wurde. Das heißt aber nicht, dass die Songs live wenigter groovten. Im Gegenteil: Da wurde seitens der gesamten Crew mit maximaler Energie aufgefahren, das hatte<br />
Rock-Pop-Soul Qualitäten die oft sogar an die Jazz-Funk-Fusion eines Peter Herbolzheimer erinnerten. ( Cicero musizierte mit ihm während seiner „Lehrjahre“&#8230;. lang ist&#8217;s her). Immer wieder hält es die Menschen in der Halle nicht auf ihren Sitzen – Cicero heizt schon bei diesen ersten Titeln „Keine halben Sachen“ oder auch „Spontis zeugen Banker“ ordendlich ein!</p>
<p>Aber rasch folgt ein ganz anderer, getragener und absolut „jazziger“ Song &#8211; „Adieu und Kuss“- (übrigens noch eine hervorragende Komposition aus der Feder Lutz Krajenskis) dessen Geschichte einem Bondfilm entnommen sein könnte. Roger Ciceros Gesang ist hier mal chansonweich im Wechsel mit hochjazzigen,kräftig gesungenen Passagen. Seine Stimme strahlt in allen denkbaren Schattierungen. In dieser musikalischen Breite, Professionalität und stimmlichen Qualität ist Roger Cicero in Deutschland eine beglückende Ausnahmeerscheinung. Die begleitende Bigband setzt<br />
wuchtige Akzente, ein Saxophonsolo und Rogers Stimme machen den anspruchsvollen Song zu einer musikalischen Koryphäe!</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-2.jpg"><img class="size-full wp-image-1473 alignleft" title="cicero-2012-2" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-2.jpg" alt="" width="521" height="387" /></a></p>
<p>Die Reihenfolge der Songs wurde geschickt und sehr kontrastsreich konzipiert. Es gab keinen abgeschlossenen Block, indem z. B. nur die neue CD vorgestellt wurde. Das wechselte auch mit<br />
Titeln seiner älteren CDs, die zum Teil in neuen Medleys arrangiert waren. Überraschend und meisterhaft bekam die traurige Ballade „Fachmann in Sachen Anna“ ein völlig anderes, totales<br />
„Soul+Funkkonzept“ , welches ich so vorher nicht für möglich gehalten hätte und was tatsächlich mitreißend funktioniert.</p>
<p>Ja, und dann gab es noch die wirklich herausragenden „sensationellen“ Momente, von denen einige zwingend auf einer Live-CD irgendwann mal ein Zuhause finden sollten. Auf allen bisherigen Cicero-Konzerten glänzte der Künstler besonders mit seinen Covern unterschiedlichster Songs. Während der „Männersachen-Tour“ war es der Rio-Reiser-Song „König von Deutschland“, oder Klaus Lages „Tausendmal berührt“. Auf der „Beziehungsweise-Tour“ machte er aus Grönemeyers „Männer“<br />
eine unglaublich rasante Swingnummer mit Scateinlage, die Count Basie zur Ehre gereicht hätte. Er machte aus dem Princesong „How come U don&#8217;t call me anymore“ eine vokale Tour de force voller<br />
explosiver und unvergesslicher Blues- und Soulttöne. (enthalten auch auf der Cicero DVD: Live at Montreux). Und schließlich wurde auch „Geboren“ von den „Fantastischen Vier“ in Ciceros Version<br />
eine heiße, nicht wiederzuerkennende Jazznummer. Allen Covern ist eines gemeinsam: Sie beweisen Ciceros immense Vielseitigkeit aber auch seine Unverwechselbarkeit, seine künstlerische Individualität.<br />
Er nähert sich kreativ und intelligent dem jeweiligem musikalischem Idiom, er wandelt und setzt neue Impulse &#8211; aber er BLEIBT immer Roger Cicero!</p>
<p>Auf seiner aktuellen Tour covert Cicero den Sting Song „I was brought my senses“. Der Song ist im eher ungewöhnlichen,„ungradem“ 7/8 Takt geschrieben, und ist besonders für den Schlagzeuger ein Herausforderung. Cicero bedient sich erstmalig der E-Gitarre und anfangs klingt der Titel wie ein Folk-Rocksong. Cicero singt den wortreichen Song im englischen Original. Es ist ein<br />
poetischer, spiritueller Text, eher ein Gedicht in dem es um die Rückbesinnung auf das eigene Sein, Verbundenheit mit der Natur, der Symbolik und um das Suchen, Sehnsucht und (Wieder)-finden der Liebe geht.</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-3.jpg"><img class="size-full wp-image-1474 alignleft" title="cicero-2012-3" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-3.jpg" alt="" width="519" height="389" /></a></p>
<p>Ein großer Song, der von Cicero in hochdynamischer Weise interpretiert wird. Wieder erlebt man einen anderen Sänger, der jetzt englisch singend fast eine andere Indentität ausstrahlt,<br />
und doch wieder ganz und gar Cicero ist. Nach knapp zwei Minuten, in denen Roger stilbewußt nur zur E-Gitarre singt, knallt die gesamte Bigband schräg- und volltönend in den Song hinein und läßt das Stück feuerwerksartig in sattesten Tönen funkeln. Das Saxophonsolo von Ulli Orth ist virtuos, ungestüm und rauschaft – so groovt der Song anhaltend rock-und jazzfusioniert in einer Art Klangekstase &#8211; immer vermischt mit der Intensität von Ciceros Stimme &#8211; und endet<br />
erst nach über fünf Minuten. Ein absolutes Highlight des Kölner Konzerts !</p>
<p>Ein anderer „sensationeller Moment war Rogers Ballade „In diesem Moment“. Besser hätte man diesen Song mit dem klaren,bedeutungsvollen Text im Konzert nicht inszenieren können. Die Bühne<br />
ist komplett abgedunkelt, der Sänger steht silhouettenartig unter zwei sich schräg überlagernden Scheinwerfern – auch sein Gesicht bleibt fast im Dunkel. Wieder die großen Unterschiede der<br />
Klangfarben in Ciceros Stimme. Erst ruhig, weich und dann im Refrain wirklich mit größter Eindringlichkeit gesungen, ist das sicher sehr emotional, aber unpathetisch. Das das so ist, liegt auch einfach an der Qualität von Ciceros Stimme, an seiner Gesangstechnik, und nicht zuletzt an seiner Geschmackssicherheit im Vortrag, die kitschige oder gefühlstriefende Phrasierungen nicht zulässt.</p>
<p>„In diesem Moment“ ist inzwischen ein Song, der auch vom breiten Publikum – also nicht nur bei den Fans &#8211; großes Gefallen findet. Ich bin mir sicher, dieses Lied mit der eingängigen<br />
aber sehr schönen Melodie wäre ein Riesenhit geworden, wenn man es öfter im Radio gehört hätte. Bei YouTube kann man inzwischen zahllose Coverversionen von dem Song finden. Die kurze Stille nach dieser Vorstellung und dann der ganz große und andauernde Applaus sprechen dafür, wie sehr die Menschen berührt und gefesselt waren.</p>
<p>Natürlich hat jeder Konzertbesucher seine „eigenen“ sensationellen Momente. Ein weiterer von „meinen“ aber war ein Song, den es nur auf der Saturnversion der CD gibt und der deshalb für viele Besucher neu war. „Nichts ohne Musik“ ist ein „wilder“ schneller und lauter Song – gehetzt, voll furiosem Drive! Imitten dieses Songs stellt Roger seine fantastische Bigband<br />
vor. Alle Trompeter, Saxophonisten und Posaunisten kommen dann vom oberen Teil der Bühne nach unten an den Bühnenrand und spielen sich gegenseitig mit unbeschreiblicher Verve und sprühender Spiellaune an die Wand. Dazwischen ein Roger Cicero, der selbstvergessen und in voller Lautstärke staccato-artig „ denn du bist nicht so&#8217;ne Musik“ singt. Das Stück fegt wie ein Orkan durch die Halle!<br />
Der Song endet fast abrupt und alle Musiker erstarren einige Sekunden lang in ihren gestikulierenden Spielposen. Ein eingefrorenes Bild &#8211; eine sehr effektvolle Gesamtvorstellung!</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-4.jpg"><img class="size-full wp-image-1475 alignleft" title="cicero-2012-4" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-4.jpg" alt="" width="521" height="390" /></a></p>
<p>Um den Bereich der „sensationellen Momente“ in diesem Konzertbericht zu beenden, muss ich noch Ciceros zweite Zugabe des Abends erwähnen. „Von Dunkelheit zu Licht“ schrieb er zusammen mit Rea Garvey. Diese sparsam instrumentierte Ballade ist ein Höhepunkt innerhalb seiner bisherigen Balladen, gleichzusetzen etwa seiner Hommage an den Vater Eugen Cicero.( „Ich hätt&#8217; so gern<br />
noch Tschüß gesagt“). Großartiger Text, wunderbare Melodie. Hier zeigt sich Ciceros oberstes Prinzip des Gesangs: Singen muss leidenschaftlich sein! Und wenn er allein singend am Keyboard sitzt, über ihm die Bildprojektion des Mondes, der halb beleuchtet, halb im Schatten liegt – dann wird mir am ehesten klar, was „charismatischer Gesang“ ist. Roger Cicero zeigt es in diesem<br />
Song. Wenn er im letzten Teil des Liedes singt, dass die Lichter „brennen“ sollen, dann kommt dieses „Brennen“ ausdrucksmäßig wie ein Hilfeschrei. In manchen Kritiken war zu lesen, dass der stets gutgelaunte Cicero sein gesamtes Konzert mit einem „Dauerlächeln“ bestreitet. Ich meine, da müssen diese Rezensenten viele wichtige Momente übersehen haben.</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-5.jpg"><img class="size-full wp-image-1476 alignleft" title="cicero-2012-5" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-5.jpg" alt="" width="529" height="396" /></a></p>
<p>In diesem Konzert wurden natürlich auch kurz vor Ende die „Ciceroklassiker“ seines ersten Albums gespielt. Bei „Zieh die Schuh aus“ , Frauen regiern&#8217; die Welt“ oder „Murphys Gesetz“ rockt die Halle sozusagen durchgehend – so wie es schon immer auf jedem Konzert war. Und sie rockte ebenso bei Ciceros Discotitel „Der Typ im Spiegel“ und ganz besonders bei der größten Funknummer des Abends: „Nicht für mich“. Das war schon ein „neuer“ Cicero, wie man ihn bisher noch nicht gehört hatte.<br />
Der Funk war „härter“ und am Ende der ultraheißen Nummer begeisterte Ulrich Rode das Publikum noch mit einem aufpeitschendem langem Gitarrensolo.<br />
<a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-6.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1476" title="cicero-2012-6" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-6.jpg" alt="" width="520" height="389" /></a></p>
<p>Kontrastreich wurde der eher leise Song mit Chansoncharakter „Zu zweit“ im Programm integriert. Cicero interpretierte dieses Lied über die frisch erworbene Akzeptanz der Einsamkeit mit großer Leichtigkeit und viel Charm. Herausragend waren auch die Songs „Was weißt du schon von mir“ und besonders „Erste Liebe“. Beide Songs sind stark melodiebetont und bestechen mit reichhaltigen, exzellenten Arrangements, die die Halle mit spektakulärem Klang erfüllten und entsprechend viel Applaus erhielten.</p>
<p>Einen sehr beachtlichen Auftritt hatte zwischendurch die junge Sängerin Emily Fröhling mit dem Kelly-Clarkson-Song „Beautiful Disaster“. Cicero kündigte sie mit der Bemerkung an, dass schließlich nicht jeder junge Sänger zu DSDS gehen muss. Ich halte Emily für ein großes Gesangstalent. Ihre Stimme ist ausdruckstark, sehr modulationsreich mit großem Tonumfang.Sie<br />
intoniert absolut sauber und hat schon jetzt eine eigene Klangfarbe. In ihren kräftigen Noten bekommt Emilys ansonsten weiche, warme Stimme eine unerwartet stählerne Härte und offenbart sich<br />
kitschfern. Nein, mit Celine Dion hat sie nichts zu tun! Nicht nur in Balladen, auch im Soulbereich liegt Emilys Stärke. Sie singt wesentlich besser, als viele von den zur Zeit angesagten populären deutsche Popsängerinnen wie beispielsweise eine stimmlich völlig<br />
unbedarfte Frida Gold – die für den Erfolg ihrer infantilen Popmusik für den Echo nominiert wurde. Emily Fröhling kann mit ihrer Begabung und Stimme die Liga einer Joss Stone erreichen. In<br />
Köln gab es für sie nach nur einem Song spontane, stehende Ovationen!</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-7.jpg"><img class="size-full wp-image-1478 alignleft" title="cicero-2012-7" src="http://www.jazzie.net/assets/cicero-2012-7.jpg" alt="" width="513" height="382" /></a></p>
<p>Ein Wort noch zur künstlerische Gestaltung des Cicero-Konzerts. Die wechselnden, effektvollen Lichtinszenierungen und Bildprojektionen auf riesigen Videowänden waren auf faszinierende Weise genauesten auf die Inhalte der Songs fokussiert.Cicero erzählte übrigens ungewöhnlich viel und locker aus seiner Biografie und auch dazu gab es Bilder. Der zwölfjährige Roger bei seinem ersten Bühnenauftritt an der Seite von Helen Vita. Oder der 15jährige mit seinem berühmten Vater. Von seiner neuen CD sagte Cicero, sie sei seine persönlichste. Das voherige Album „Artgerecht“ wurde seiner (musikalischen) Art gerecht. „In diesem Moment“ geht einen Schritt weiter, ist eine musikalische Ergänzung und auch Erweiterung und ist in den Texten stärker auf seine Person, auf sein Denken, oder seinen allgemeinen Daseinszustand bezogen.</p>
<p>Mir hat in diesem neuen Konzertprogramm nichts gefehlt. Die energiegeladenen, rhythmischen swingenden und groovenden Titel überwogen &#8211; aber auch die leiseren Momente des Innehaltens waren da!<br />
Erst nach drei Zugaben -es ging bereits auf 23:00 Uhr zu &#8211; wurden der Künstler und seine Bigband entlassen.</p>
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		<title>ROGER CICERO – IN DIESEM MOMENT-Komplex &amp; pulsierend von A –Z</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 10:09:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[ROGER CICERO – IN DIESEM MOMENT / CD 28. Okt. 2011 Komplex &#38; pulsierend von A –Z : Ein starkes Album. Ich gebe es zu – der „neue“ Sound von Cicero&#8217;s Album „In diesem Moment“ hat mich nicht blitzschnell angeflogen&#8230;.zu sehr war mein „Cicero-Fan-Gehör“ auf den Big Band Sound fixiert, der seine bisherigen drei Soloalben ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>ROGER CICERO – IN DIESEM MOMENT / CD 28. Okt. 2011 Komplex &amp; pulsierend von A –Z : Ein starkes Album.</strong></p>
<p>Ich gebe es zu – der „neue“ Sound von Cicero&#8217;s Album „In diesem Moment“ hat mich nicht blitzschnell angeflogen&#8230;.zu sehr war mein „Cicero-Fan-Gehör“ auf den Big Band Sound fixiert, der seine bisherigen drei Soloalben brillant markiert.<br />
<a href="http://www.jazzie.net/assets/in-diesem-Moment.jpg"><img class="size-full wp-image-1358 alignleft" title="in-diesem-Moment" src="http://www.jazzie.net/assets/in-diesem-Moment.jpg" alt="" width="400" height="400" /></a> Aber aus dem „loslassen können“ von geliebt-vertrauten Hörgewohnheiten ergeben sich oft neue Sicht- und Hörweisen und im Falle von Cicero&#8217;s neuer CD war das sehr lohnend. Ja, man muss konstatieren: Cicero hat zwar wie immer Jazzelemente in seine Musik einbezogen &#8211; aber der Sound seiner neuen CD wird hart dominiert von Pop-Funk &#8211; und Mainstreamklang !<br />
Oh Schreck &#8211; ist das was Schlimmes? Für Musikliebhaber „mit Anspruch“ hat „Mainstream“ betont gerne einen negativen Beigeschmack! Natürlich waren es Jazzpuristen, die Louis Armstrong seinerzeit die Welterfolge in den Popcharts mit „What a Wonderful World“ oder „Hello Dolly“ verübelten. Für Armstrong aber gab es nur „gute oder schlechte Musik“ egal um welche Kategorie es sich handelte – so konterte Louis in den 60ern.</p>
<p><span id="more-1357"></span><br />
Nach drei stilistisch zumindest sehr „ähnlichen“ Alben ist Cicero&#8217;s Wunsch nach einer musikalischen Veränderung verständlich. Wer so talentiert ist wie Cicero, der kann und sollte sich souverän an unterschiedlichste Musikstile wagen – sich in vielen Richtungen ausprobieren. Das hat er gemacht – aber bisher hauptsächlich in Livekonzerten, nicht auf seinen Alben.<br />
Tatsächlich ist dem gesamten Ciceroteam (rundum erneuert bis auf seine Band) nun ein sehr komplexes, vom ersten bis zum letzten Song stark pulsierendes Album gelungen. Einigen kritischen Stimmen, die da hauptsächlich doch wieder nur den „alten Cicero“ aufspüren wollen – und das meist nach nur einigen Sekunden Hörproben (!) widerspreche ich. Denn dieses vierte Album verfolgt eindeutig konsequenter und fruchtbarer die Pop- und Funkausrichtung als es sein Album „Artgerecht“ (2009) in Ansätzen mit schönen Songs wie u.a. „Spontis zeugen Banker“ zeigte. Da ist jetzt definitiv ein NEUER SOUND in Ciceros Musik!<br />
Als Erstes wäre zu beleuchten, was den gravierend neuen Sound ausmacht – nämlich die Arrangements! Die hohe Qualität der ungeheuer vielschichtigen, sorgsam ausgefeilten, absolut kreativen und oft pompösen Arrangements zu erfassen, dazu bedarf es ein mehrmaliges Hören.<br />
Bei dem Song „Was weißt du schon von mir“ kann man nur staunen, wie gelungen opulente Streicher sich mit satten, und später fanfarenartigen Bläsersätzen regelrecht popsymphonisch verquicken. Für das funkige Klangbild sorgt bei den stark rhythmischen Titeln -. und die machen den Großteil der neuen CD aus &#8211; ein durchgängig knalliger Drumsound! Matthias „Maze“ Meusel hat gut zu tun – und er tut es brillant!<br />
Großorchestral umlagert mit Streichern und Bläsern ist auch der Song „Erste Liebe“! Dazu steigern vordergründiges Schlagzeug und Hervè Jeanne&#8217;s satte Basstöne die Dynamik. Intensiv und „laut“ gesungen ist das alles andere als eine sentimentale Erinnerungsschnulze!<br />
Dynamik ist auch der Grundstoff, der die gesamte CD durchzieht – egal ob Ballade oder Funknummer. Dafür ist selbstverständlich auch Roger Cicero naturgemäß zuständig. Wenn er singt – egal wo und wann &#8211; wird er zum Intensivtäter! Seine stimmliche Flexibilität, die Kraft und Nuancierung seines Gesangs ist in allen unterschiedlichen Songs der neuen CD gleichbleibend eindrucksvoll. Der Mann hat einfach nicht nur „eine“ Stimme, sondern viele !<br />
Beim Funktitel „Nicht für mich“ aber auch bei „Was weißt du schon von mir“ schafft seine Stimme anfangs tiefste sauberste Basstöne – die wirklich „ gesungen“ sind &#8211; und nicht nur „dunkel gemurmelt“! Die nächste Strophe geht dann in die mittlere Lage, und mit dem Refrain erreicht er mühelos kraftvolle Höhen. Dieser Tonumfang ist immer wieder beeindruckend.<br />
Die Dancenummer „Nicht für mich“ hat den härteren Drive und ist funkiger konzipiert als „Der Typ im Spiegel“. So wie auch anfangs bei „Keine Halben Sachen“ benutzt Cicero eingangs sogar musikalische Attribute des RAP – aber ohne zu rappen. ( Ich bin überzeugt- er könnte es perfekt! )<br />
Eine glänzende 80er Dancefloor-Disconummer mit typischen Phillysound-Streichern ist „Der Typ im Spiegel“ geworden. Roger singt den Titel mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit.. als ob er nie etwas anderes als „Disco“ gesungen hätte. Absolut mitreißend! ( Das findet Söhnchen Louis auch. Wie in einem jüngsten Cicero-Interview zu hören ist, war er es, der Roger zu diesem Titel animierte + inspirierte. Louis liebt nämlich „Man in the mirror“ von Michael Jackson. .. das am Rande)<br />
Und gerade hier zeigt Cicero bei einer &#8220;einfachen&#8221; Disconummer seine gesangliche Vielseitigkeit und Könnerschaft und seine unvergleichliche Dynamik mit der er so einen Song zu steigern vermag. Für mich persönlich könnte der Song gut 3 Minuten länger sein – damit man sich so richtig austoben kann!<br />
Der Hintergrundchor, nicht nur bei „Der Typ im Spiegel“, ist auf vielen Songs dieser CD zu hören, und wurde komplett von Roger eingesungen, wobei er häufig seine Kopfstimme einsetzt. Er arbeitet auch häufig beim Refrain eines Songs mit Stimmverdoppelung oder Stimmüberlagerungen. Das gab es auf den vorherigen Alben kaum – passt hier aber gut zum Pop -und Mainstreamcharakter – und erspart den Mädchenchor ( grins)<br />
Etwas ausgefallen wirkt der Song „Einfach mal“ weil zunächst Ulrich Rode mit dominierender Gitarre leichten Countrysound verbreitet. Später gesellen sich viel Instrumente hinzu – aber der Song bleibt von einer flirrenden Leichtigkeit, und hat nicht den verschwenderisch dichten Klang der anderen Songs. Im Mittelteil begeistern mich mal wieder Roger&#8217;s Vokalismen, die gekonnt und lässig daher kommen, wie nur er es kann.<br />
Neben viel Funk + Pop gibt es aber doch so zwei, drei Songs die man sich auch auf den vorherigen Cicero-CDs vorstellen könnte. Da wäre zuerst der Song „Zu Zweit“ in dem er paradoxerweise seine Erinnerung an seine Einsamkeit besingt: „Hallo Einsamkeit“ &#8211; so beginnt der Refrain des Songs. Schön swingend begeitet von Jazzpianist &amp; Bandleader Jools Holland und Cicero selbst , singt er den Song mit vergleichbarem Charme wie damals „Bin heute Abend bei dir“ von der „Beziehungsweise“<br />
Auch &#8220;Adieu &amp; Kiss&#8221;, würde auf eine frühere Cicero-CD passen – nicht zuletzt weil hier noch einmal Lutz Krajenski am Keyboard sitzt – der ja leider die Cicero-Band verlassen hat. Der Song wurde auch von Krajenski geschrieben. Das Arrangement ist anspruchsvoll und sehr ungewöhnlich! Wenn ich den Song musikalisch einordnen sollte, würde ich das Stück als ein sehr gelungenes &#8220;Jazz-Chanson&#8221; bezeichnen, denn beide Stilmerkmale von Jazz und Chanson sind darin enthalten.</p>
<p>Mir kommt bei dem Stück sogar Hildegard Knef in den Sinn – musikalisch wie textlich gibt es da für mich eine gewisse Nähe. Der Song würde gut auf eine alte Knef-Platte passen – aber besonders auch auf die CD, welche die Knef in ihren späten Jahren mit Till Brönner machte.<br />
Um den Song zu beschreiben, welcher der CD den Titel gab, verarbeite ich hier etwas die Zeilen aus meiner bereits erfolgten Besprechung zur Single-Auskoppelung – damit diese Album-Rezension komplett ist.<br />
Ich fand die Melodie von „In diesem Moment“ zunächst eher schlicht &#8211; weil sehr eingängig &#8211; fast schon &#8220;ohrwurmmäßig&#8221; angelegt und deshalb war eine gewisse Unterschätzung schnell gegeben. Aber auch kleine Melodien haben großen Reiz, wenn sie interessant arrangiert sind &#8211; wie hier geschehen. Inzwischen mag ich den Titel immer mehr mit jedem weiteren Hören. Der Refrain hat eine sogartige Wirkung. Im instrumentalen Mittelteil hört man „leise“ und im tragenden Stil melancholisch klingende Bläser – diese Passage ist von großer musikalischer Schönheit.<br />
Cicero&#8217;s Stimme klingt trotz großer Intensität etwas anders und weicher als gewohnt &#8211; was aber vollkommen stimmig mit dem gedankenvollen, sozusagen &#8220;in sich gekehrten&#8221; Text einhergeht. Ein Text, der die vielen Realitäten unseres Lebens wahrnimmt oder beschreibt&#8230; die unendlich vielen unterschiedlichen Situationen, die Menschen einander erfahren. Alles passiert gleichzeitig&#8230;aber Jedem passiert es zu &#8220;seiner&#8221; Zeit. Das ist nachdenklich, bewusst und ernst &#8211; aber nie sentimental.<br />
Damit bin ich bei den „Texten“. Ich finde sie mehrheitlich gut und bestimmt gleichrangig mit den Ramond-Texten. Es fehlt etwas der mitunter ironische Wortwitz, statt dessen gibt es ernstere, reflektive Betrachtungen von Lebenszuständen oder Erinnerungen an Gewesenes. Natürlich ist da auch Humor bei Texten wie „Alles kommt zurück“ oder „Nicht für mich“ .<br />
Wenn es um „Liebe“ geht, ist dieses Album in den Texten ernsthafter, melancholischer als seine Vorgänger. Im Song „Was weißt du schon von mir“ heißt es: Mein Kopf ist eine Insel, von dem kein Traum entfliehen kann &#8211; deine leiseste Berührung kommt als Tsunami dort an&#8230;.<br />
Und im absoluten Highlight der CD „Dunkelheit zu Licht“ singt Roger: Und dass du alles in den Schatten stellst, wenn du in meine Arme fällst, dann leuchtet dieser Raum ganz wie von selbst – und dass mein Leben etwas heller ist, jedes Mal wenn du den Raum betrittst, wird Dunkelheit zu Licht .<br />
Muss ich das nun kitschig finden? Nein &#8211; mir gefällt das, ich finde das schön Man muss diese Texte nicht angehen, wie einige Kritiker und auch „strenge Hörer“ &#8211; die sich offensichtlich wie Literaturprofessoren aufspielen und in ihrem &#8220;ach-so hohem-Anspruch&#8221; Rezensionen schreiben, die mehr eitle Selbstdarstellung sind als eine CD-Besprechung. Baden im Licht ihres hohen Anspruchs &#8211; dass ist wichtiger als sich direkt mit der Musik und den Texten zu befassen. Und niemand legt bei englischenTexten die Messlatte derart hoch. In einer Popballade brauche ich keine kafkaeske Unverständlichkeit.<br />
Mit „Dunkelheit zu Licht“ ist Cicero ein weiteres Meisterwerk wie „Ich hätt&#8217; so gern noch Tschüß gesagt“ gelungen. Ein große Ballade, in der Cicero sich mit allen Facetten aussingt. Hier können wir wieder sein massives Gesangstalent bewundern. Von leise bis dramatisch. Romantisch, wehmütig aber niemals lasch oder banal. Ich bin sehr gespannt auf die kommende Livepräsentation – dieser Song wird mit Sicherheit ein Konzerthighlight.<br />
Die CD ist für mich durchweg gelungen &#8230;. sie ist funkensprühend, modern, voller Power und Leben – und dabei immer differenziert. Ich weiß es nicht – aber vielleicht ist „In diesem Moment“ der erste künstlerisch wirklich gleichrangige UND gänzlich neue Gegenpol zu seinem großen Erstlingserfolg &#8220;Männersachen&#8221;.</p>
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		<title>Roger Cicero Solo Musikalische Höhenflüge im Weltklasseformat</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2010 09:36:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Roger Cicero , vocal + Lutz Krajenski, piano  live im Theater am Tanzbrunnen,  Köln,  17. Oktober  2010 Bevor ich auf dieses außergewöhnliche Konzert von Roger Cicero und Lutz Krajenski näher eingehe, möchte ich doch auf Folgendes hinweisen: In meinen inzwischen über zwanzig ausführlichen Konzert- und CD-Besprechungen zur Musik von Roger Cicero habe ich wahrscheinlich erschöpfend ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roger Cicero , vocal + Lutz Krajenski, piano  live im Theater am Tanzbrunnen,  Köln,  17. Oktober  2010</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1232" title="1" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/1.jpg" alt="" width="410" height="221" /></a></p>
<p>Bevor ich auf dieses außergewöhnliche Konzert von Roger Cicero und Lutz Krajenski näher eingehe, möchte ich doch auf Folgendes hinweisen: In meinen inzwischen über zwanzig ausführlichen Konzert- und CD-Besprechungen zur Musik von Roger Cicero habe ich wahrscheinlich erschöpfend beschrieben, was sein Talent, seine Musikalität, und seine Stimme ausmacht. Insofern wird es fast unmöglich, sich nicht zu wiederholen.</p>
<p>Tatsächlich aber hatte seine gerade abgeschlossene Clubtournee „Roger Cicero Solo“  bewunderungswürdige Überraschungen parat, die besonderer Erwähnung bedürfen. Zunächst einmal muss ich betonen: Wo „Jazz + Soul Pur“ draufstand, war dieses auch „drin“ -  und das nicht zu knapp! Diese Ankündigung war also alles andere als eine versprechende „Mogelpackung“ – in der dann doch wieder überwiegend Zugeständnisse ans „Zieh-die-Schuh-aus-Publikum“ gemacht wurde. <span id="more-1230"></span>Cicero bestreitet sein faszinierend vielseitiges Programm über  zwei Stunden lang allein mit seinem Pianisten, Organisten und Arrangeur Lutz Krajenski. Beide Künstler verbindet eine über zehnjährige musikalische Verbundenheit, und ein kurzer Blick aus dem Augenwinkel  genügt ihnen zur Verständigung. Eigentlich müsste man bei diesem Konzert sogar von einem Konzert-Duett sprechen, denn Krajenski ist während des gesamten Konzerts  an Ciceros  Seite präsent. Dieser gab ihm viel Gelegenheit in seinen Soli sowohl am Piano wie auch an der Hammondorgel zu brillieren und das Publikum in immer neue Begeisterungsstürme zu versetzen. Roger Cicero selbst genoss ebenso Krajenski&#8217;s pianistische Kostbarkeiten und offenbarte mit strahlender Miene mindesten die gleiche Begeisterung wie das Publikum.</p>
<p><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1233" title="2" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/2.jpg" alt="" width="410" height="301" /></a></p>
<p>LET&#8217;S STAY TOGETHER<br />
Das Repertoire war äußerst geschickt ausgewählt. Im gut überlegten Wechsel von Funk,  Blues, Jazzstandards, Pop Soul -und  Jazzballaden, und sogar einem fulminanten Brückenschlag zum  Gospel als letzter Titel vor den Zugaben – konnte auch nicht die kleinste Spur von Eintönigkeit aufkommen.  Cicero scheute nicht zurück, hochkarätige, weltberühmte Songs wie Marvin Gaye&#8217;s „What&#8217;s Going On“ oder Al Green&#8217;s „Let&#8217;s Stay Together“ nur mit Pianobegleitung zu interpretieren. Songs, die jeder Soulfan bestens kennt und zwar mit harten Drums und überhaupt praller, funkiger Begleitung.</p>
<p>Besonders „Let&#8217;s Stay Together“  gelingt Cicero fantastisch. Man darf nicht vergessen, dass dieser Titel 1984 Tina Turner eines der großartigsten Comebacks der Popgeschichte bescherte – in einer  grandiosen Version, die die restlichen achtziger Jahre durch alle Diskotheken  zog. Ich habe bei der Cicero-Version nichts an riesigem Background vermisst .<br />
Roger Cicero hat die Begabung sich einen Song derart eigenständig und intensiv anzueignen, die Steigerung oder das Beste  in der Musik zu erkennen und immer noch weiter zu dynamisieren, so dass man den Song ganz neu hört und ihn begeistert in so einer – fast „unplugged-Version“  annimmt.  Dieses schon charismatische Talent zeichnet übrigens viele seiner älteren Cover aus &#8211; angefangen bei Klaus Lage&#8217;s „Tausendmal Berührt“ über „Grönemeyer&#8217;s „Männer“ bis zu  „Geboren“von den Fantastischen Vier.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/cicero-s3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1240" title="cicero-s3" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/cicero-s3.jpg" alt="" width="410" /></a><br />
Im ganzen Konzert gab es nur einen Song, bei dem ich  zumindest Maze Meusel&#8217;s Schlagzeug etwas vermisst habe: Cicero&#8217;s Prince-Cover-Hit „ How Come U Don&#8217;t Call Me Anymore“ &#8211; schon in vielen Konzerten &#8211; zuletzt im Baden-Badener „ Mr. M&#8217;s Jazzclub“  vorgetragen, war immer ein überwältigendes Highlight seiner Konzerte. Jetzt nur mit Piano gehört, dachte ich, dass zum Drive des Song doch wenigstens die begleitende „Durchschlagskraft“  des Drummers gehört .</p>
<p>Dieses Konzert hat außerdem etwas eklatant bewiesen: Kunst, Güte, Professionalität und Kreativität eines Künstlers  entfalten sich am ehesten,  wenn das zu interpretierende  Repertoire von hohem Niveau ist und Anforderungen an den Künstler stellt.  Das war bei „Cicero Solo“ absolut der Fall. Unterschiedliches Songmaterial wie u.a. von Prince, James Taylor, Al Green, Stevie Wonder Eddie Jefferson, Strayhorn/Ellington, Dave Brubeck sowie der Sportfreunde Stiller, Rio Reiser und auch Cicero/Krajenski Stücke verlangen musikalische Versiertheit, großes Vorstellungsvermögen und Sinn für all diese Stilrichtungen.<br />
Wenn nach dem mit aufregenden Scatvocalismen versehenen Jazzstandard „No Moon At All“  pötzlich „Ein Kompliment“  von den Sportfreunden Stiller folgt, oder Cicero nach  Soulfetzer „Let&#8217;s Stay Together“ mit samtig-weicher Stimme „Every Little Thing She Does Is Magic“ von Police singt, denkt man, da steht plötzlich ein andere Sänger auf der Bühne. Er singt den Policesong mit dunkler, geradezu magisch schön klingender Stimme. Die Diskrepanz von seinen kraftvollen, stählernden Höhen zu diesen tiefen, weichen, samtig-sonoren  Tönen ist ein regelrechter Überraschungseffekt.</p>
<p>Diesen Stil könnte er demnächst noch etwas entschiedener verfolgen. So hätte ich mir auch noch die eine oder andere ganz „sanfte“ Jazzballade ( z. B. Misty, Tenderly, The Wedding  oder One For My Baby) gewünscht. Da eröffnen sich noch große künstlerische Möglichkeiten für Cicero – so singen zu können ohne „weichgespült“ zu klingen ist auch eine seiner  Stärken. Von José James, einem der talentiertesten neueren jungen Jazzsänger und dem Pianisten Jef Neve erschien unlängst ein wunderschönes, von Kritikern hochgelobtes  Jazzballadenalbum, (For All We Know 2010) Eine solche Aufnahme könnte ich  mir ebenso gut von Könnerteam Cicero / Krajenski vorstellen.</p>
<p>Als Roger eingangs von seinem vielschichtigen Programm spricht, zeigt sich, wie sehr ein Künstler mit seiner Moderation aufpassen muss. Cicero erlaubte sich eine Unvorsichtigkeit und sprach gutgelaunt und  locker: „Ich singe hier heute Abend sozusagen einen bunten Gemischtwarenladen zusammen“ . Eine Kritik des Kölner Stadtanzeigers machte daraus gleich die Überschrift zu einer erschreckend oberflächlichen Besprechung:  „Gemischtwarenladen  mit Roger Cicero“ hieß es da, und das klingt so aus dem Kontext gelöst schon negativ  und eher nach einem sehr beliebigen, nicht wirklich interessantem Konzert.</p>
<p>BLUE RONDO A LA TURK<br />
Wie interessant, unterhaltend und spannend  das Konzert aber letztendlich war, werden die meisten der ca. 600 &#8211; 700 Besucher im Theater des Kölner Tanzbrunnen zu bestätigen wissen. Ein künstlerischer Höhepunkt ereignete sich, als Cicero in einer erstmalig live dargebotenen Version das  ca. siebenminütige „Blue Rondo A La Turk“ intonierte.  Diese im 9/8 Takt von Dave Brubeck geschriebene  Bearbeitung geht auf das Mozart&#8217;sche „Rondo A La Turk“ zurück. Al Jarreau brachte auf dem Album „Breaking Away“ (1981) eine ziemlich geniale Version des Stücks, welches eigentlich als fast „ unsingbar“ gilt. Eine Studioaufnahme, mit  drums, bass, Synthesizer &amp; acoustic piano. Cicero sang das Stück jetzt jedoch  live und nur mit Pianobegleitung. Bei der Ankündigung des Stücks  wedelte er die meterlange Partitur von der Bühne herunter.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/4.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1235" title="4" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/4.jpg" alt="" width="410" /></a></p>
<p>Cicero behandelt hier seine Stimme wie ein Instrument und erbringt noch einmal den längst unnötigen Beweis nach den sophisticated vorgetragenen  Songs „Moodys Mood for Love“ und „No Mood At All“, dass er tatsächlich ein excellenter und sublimer Jazzsänger ist. Der unerhörte Schwierigkeitsgrad von „Blue Rondo A La Turk“ liegt nicht ( vordergründig erkannt) nur in der wahnsinnigen Schnelligkeit, dieser irrsinnigen Rhythmik welche perfekte Atemtechnik verlangt, sondern auch in der sprunghaften Melodieführung und dem riesigen großem Tonumfang, der den Einsatz seiner Kopfstimme  nötig macht und ihn in der Tiefe an seine Grenzen stößt. Der Song fließt von den stakkatoartig hervor gestoßenen Lyrics  in furiosen, impovisationsfreudigen  Scatgesang über –  mittlerweile Cicero&#8217;s Königsdiziplin im Vokaljazz. So bleibt dieses Musikstück immer dem Jazz verbunden und ist trotz all der Bewältigung der technischen Kompliziertheit keine Zirkusnummer.</p>
<p>Mit dieser Vorstellung  hat Cicero eine andere musikalische Dimension in Richtung „Kunst“  betreten. Dann darf sich der Meister ein wenig ausruhen, denn Krajenski hat ein langes,  inspiratives und eher ruhiges Solo, in dem auch er in wunderbaren Improvisationen dem Titel nochmal Glanzlichter aufsetzt.</p>
<p>Beim seinem großen Solo in „Everybody Got The Blues“  ist dann allerdings nichts mehr ruhig! Lutz fackelt an der Hammondorgel ein Feuerwerk an gleißenden Orgeltönen ab,  die ihn bildlich gesehen mit samt dem großen Instrument gegen die  Konzerthallendecke fliegen lassen. Auch Cicero überzeugt mit dieser heftigen Bluesnummer, die vor Energie überschäumt und gewaltigen Applaus einheimst.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/5.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1236" title="5" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/5.jpg" alt="" width="410" /></a></p>
<p>Beim drei Titeln greift Cicero selbst zur Gitarre, und schafft beim  Princesong „Forever in Life“,  und später in der Zugabe mit Stevie Wonders „Have Talk with God“  einen anderen Sound von toller, rhythmischer Qualität. „Fachmann in Sachen Anna“  ist dann zunächst ernst und   melancholisch, aber auch hier blitzen im zweiten Teil des Liedes ganz zornig-expressive Töne hervor, die diesen Song  dann wie einen Blues klingen lassen.</p>
<p>Gleich danach setzt sich Roger ans Klavier, während Lutz zur Hammondorgel wechselt.  Die Hommage an seinen Vater  „Ich Hätt&#8217; So Gern Noch Tschüß Gesagt“ gibt mir abermals die Überzeugung, dass dieser Song  sicher eine der besten Kompositionen von Cicero ist. Mal abgesehen vom sensiblen Text – die Melodie beinhaltet so viel interessante Wendungen, unerwartete Sprünge von den leisesten bis zu lauten, expressiven Noten die auch sängerisch große Sicherheit in der Intonation verlangen &#8211; dass  der  hohe musikalische Wert dieses Songs absolut  eindeutig ist. Mal Ballade, dann wieder Blues – Cicero beherrscht das wechselvolle Spiel von Fragilität bis zum Aufschrei. Sicher wäre es interessant , den Song auch in englischer Sprache zu hören, um so noch besser seine Bluesqualität testen zu können.  Nach dem Konzert bestätigten mir auch einige Besucher und Fans, dass diese Vorstellung „ Ganzkörpergänsehaut“ auslöste.  Die Nummer wirkte vielleicht noch stärker als früher in verlängerter Version und mit einem gefühlvollen  Solo von Lutz Krajenski.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/6.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1237" title="6" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/6.jpg" alt="" width="410" /></a></p>
<p>Ganz anders als in der Kölner Lanxess-Arena war natürlich die Stimmung in dieser kleineren Lokation. Es herrschte absolute Stille und große Konzentration seitens der Besucher bei allen Titeln. So konnte sich jeder Song in seiner Performance richtig entfalten und  seine Wirkung erzielen – so wie es eigentlich immer sein sollte.  Nach der Hommage an  Cicero&#8217;s berühmten Vater dem Jazzpianisten Eugen Cicero, wird es wieder jazzig mit den weltberühmten „Take The A-Train“ . Lässig und schwungvoll singt Cicero den großartigen Jazzklassiker  in der Version  nach Eddie Jefferson, (1918 – 1979) der leider auch heute noch hauptsächlich nur bei Jazz-Insidern bekannt und geschätzt ist.</p>
<p>Als letzten Song kündigt Roger einen Gospel an, geschrieben und getextet von Tommy Sims. „Everyday“ hat er  bereits auf der CD der Jazz-und Soulformation  Soulounge „Home“ ( 2004) gesungen. Aber wie hat sich Cicero seitdem weiterentwickelt ! Von Leidenschaft getrieben, stimmgewaltig und  souverän lässt er den Song schon fast hymnisch erglühen. Jetzt beim letzten Song drängt es die Menschen  nach vorne an die Bühne, und Cicero fordert auch die Zögerlichen auf, nach vorne zu kommen. Nach dieser hochdynamischen Nummer wird er erst nach zwei Zugaben entlassen. Erst ein Song von Stevie Wonder und danach schafft Roger noch einmal unter dem Publikum das Gefühl von tiefer Verbundenheit mit seiner Rio-Reiser-Version „König von Deutschland“  Einmal darf hier mitgesungen werden &#8211; und das kann nach diesem Konzert auch nicht der strengste Musikpurist verübeln!</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/7.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1238" title="7" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/7.jpg" alt="" width="410" /></a></p>
<p>Dieses Konzert mit seinen vielen musikalischen Höhenflügen im Weltklasseformat hat die Früchte einer wunderbaren Künstler-Liäson präsentiert.  Authentizität, Talent und die Freude an der Musik setzten sich hier in höchstbefriedigender Weise durch.</p>
<p>Mit einem Slogan zum Soloprogramm von Cicero und Krajenski möchte ich dieses Rezension beenden: SIE KÖNNEN AUCH ANDERS – UND NOCH BESSER  !</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/8.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1239" title="8" src="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/8.jpg" alt="" width="400" /></a></p>
<p>KONZERTBEGINN 19:05</p>
<p>Never Take The Place &#8211; Prince  No Moon At All -  Redd Evans<br />
Das Kompliment -  Sportfreunde Stiller  What going on  -  MarvinGaye<br />
Moody&#8217;s mood for love -   Eddie Jefferson<br />
Spontis zeugen Bänker &#8211; Krajenski Für ‘nen Kerl&#8221; piano &#8211; Cicero Forever in my Life -  Prince<br />
Blue Rondo a al turk &#8211; Dave Brubeck</p>
<p>PAUSE   20:00 – 20:20<br />
Let‘s Stay Together &#8211; Al Green  Every Little Thing She Does &#8211; Police/Sting  How Come You Don‘t Call me anymore -  Prince  Schöner war&#8217;s ohne- Krajenski?<br />
Ich hätt so gern noch Tschüß gesagt piano – Cicero<br />
Everybody got the blues  &#8211; James Taylor<br />
Fachmann in Sachen  Anna -Matthias Hass/ Maren Stiebert<br />
Take the A-Train &#8211; Strayhorn/Ellington<br />
Everyday   Tommy Sims<br />
ZUGABEN</p>
<p>Have A Talk With God  &#8211; Stevie Wonder  König von Deutschland &#8211; Rio Reiser<br />
BIS  21:45</p>
<p>NACHTRAG<br />
Der Jazzkritiker Ralf Dombrowski ***<br />
schrieb am 26.Oktober in der Süddeutschen Zeitung  über das Konzert: &#8221;Großes Kino   Roger Cicero im kleinen Ampere&#8221;<br />
(Auszug) &#8221;Aus dem Mauerblümchen und der Kunstfigur ist ein Entertainer von Format geworden, der seinen Stil in der Reduktion auf das Wesentliche findet, das er in permanenter Kommunikation mit der pfiffigen und emphatisch groovenden Begleitung von Lutz Krajenski entwickelt. Das ist großes Kino im kleinen Rahmen, künstlerisch und musikalisch mitreißend und zugleich authentisch genug, um bei aller Professionalität den Menschen auf der Bühne nicht zu vergessen. Eugen wäre stolz auf seinen Roger gewesen&#8221; Ralf Dombrowski</p>
<p>***<a href=" http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/143752/index.html"> http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/143752/index.html</a></p>
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		<title>Roger Cicero  in  Mr. M&#8217;s JAZZCLUB    Baden Baden</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Oct 2010 06:37:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Roger&#8217;s mood for Jazz&#8230;.. Roger Cicero  in  Mr. M&#8217;s JAZZCLUB    Baden Baden 9.9. 2010 Vor knapp 3 Jahren ( Dezember  2007) konnte ich Roger Cicero nach einigen Konzerten mit seinen deutschsprachigen Swingtiteln und seiner wunderbaren Big Band  zum ersten Male auch live als reinen Jazzsänger – begleitet von nur vier Musikern -  erleben. Meine erste ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roger&#8217;s mood for Jazz&#8230;.. Roger Cicero  in  Mr. M&#8217;s JAZZCLUB    Baden Baden 9.9. 2010</p>
<p>Vor knapp 3 Jahren ( Dezember  2007) konnte ich Roger Cicero nach einigen Konzerten mit seinen deutschsprachigen Swingtiteln und seiner wunderbaren Big Band  zum ersten Male auch live als reinen Jazzsänger – begleitet von nur vier Musikern -  erleben. Meine erste CD von Cicero  (After Hours &#8211; There I Go, 1995) hatte mich total überrascht und enthielt  eben genau diese Songs, die ich dann  später in einem faszinierendem  Konzert mit den gleichen Musikern  in Hannover  erleben sollte. „There I Go“, dieses glänzende, an einem einzigen Tag eingespielt Jazzalbum,  brachte den Stein des „Überzeugten-Fan-Seins“ dieser Formation und vor allem dieses Sängers ins rollen&#8230;..</p>
<p>Sofort schrieb ich geradezu euphorisiert eine User-Rezension bei Amazon über Cicero: „Deutschland hatte zu keiner Zeit einen besseren Sänger“. Heute würde ich das etwas eingrenzen,  den Begriff: „Bester“ streichen und statt dessen sagen: Deutschland hatte zu keiner Zeit einen„musikalischeren“ Sänger als Cicero. Bei dieser „strikt subjektiven“ Meinung bleibe ich auch 2010, eingedenk der Vielseitigkeit von Cicero. Er besitzt inzwischen eine künstlerische Vielseitigkeit die nicht nur wegen seiner eigenen, stilistisch breitgefächerten  Titel – sondern auch wegen seiner absolut souveränen Jazzaufnahmen und besonders seiner bestechend eigenständigen Coverversionen von Prince, Grönemeyer, Den Fantastischen Vier  oder Klaus Lage,  unwiderlegbar ist.<span id="more-1193"></span></p>
<p>Mit textcleveren, deutschsprachigem Swing, Pop, Blues oder Balladen hat er seit der CD „Männersachen“ (2006)  anhaltenden Erfolg. Er tritt in großen Konzerthallen auf und seine „reinen“ Jazzkonzerte sind etwas rar geworden. Als ich die Ankündigung seines Konzerts im Baden Badener Mr. M&#8217;s JAZZCLUB sah, setzte ich spontan alles daran, diesem Konzert beizuwohnen.</p>
<p>Der Bénazet-Saal des Baden Badener Kurhauses besitzt natürlich ein exklusiveres Ambiente als der Ballhof-Jazzclub in Hannover. Weniger intim, dafür elegant-gediegen, mit gedeckten Tischen und stimmungsvollem Kerzenlicht. Gleich vorweg bekenne ich auch, dass ich das Hannoveraner Konzert insgesamt hautnaher und intensiver erlebt habe, was aber weniger mit der Qualität der musizierenden Künstler zu tun hat. Denn die war von gleicher Güte. Pluspunkte bekommt das Ballhof-Konzert von mir selbstverständlich jedoch wegen des Mitwirkens  von Saxophonist Stephan Abel, der mit seinem Spiel besonders die expressiven Momente des Konzerts mitbestimmte oder förderte. Stephan Abel war leider in Baden Baden nicht dabei. Andererseits war aber auch die sparsamere Begleitung in Baden Baden reizvoll – zudem es  lange instrumentale Parts  oder Soli in jedem Song gab.</p>
<p>Um Punkt 20 Uhr eröffnete  Marc  Marshall, Gründer des  Mr. M&#8217;s JAZZCLUB&#8217;s   und Veranstalter dieses Baden Badener  Jazzwochenendes das Konzert. In einer kurzen Rede stellte er Roger Cicero als Jazzsänger von Weltklassenformat vor. Pianist &amp; Arrangeur Lutz Krajenski, Drummer Matthias „Maze“ Meusel und Bassist Hervé Jeanne &#8211; alle seine musikalischen Mitstreiter seit Jahren &#8211; kamen auf die Bühne.  Dann Roger Cicero. Er erzählte, dass ihm und seinen Musikern diese kleine Pause von den augenblicklichen Sat 1- Aufzeichnungen der „ Hitgiganten“  (die er 6 x moderiert und mit Liveautritten bestückt), ganz gut gefallen würde.</p>
<p>Cicero erklärte, dass es in diesem Konzert nur um Jazz ginge und fragte dann, ob jemand „Zieh die Schuh aus“ hören wolle.. Aus dem Publikum ertönte ein „ ja“. Laute Lacher im Saal. Ich rief laut „ nein“. Roger wies dann auf die rechts und links von der Bühne angebrachten Logos „Mr. M&#8217;s JAZZCLUB“ und betonte nochmals, sie wären hier um wirklich NUR JAZZ zu spielen, und wer wolle, könne jetzt noch ins Kino gehen !  Cool  war das!</p>
<p>Das Konzert begann mit dem ebenso schönen wie maßvoll swingenden   Standard  „No Moon At All“. Auch wenn im weiteren Verlauf des Konzerts im wesentlichen fast alle, mir gut bekannten Titel des Albums „There I Go“ gespielt wurden, so war schon erstaunlich, wie Cicero unablässig  und dabei auf natürlichste Weise – ohne Manierismen -  jeden Song anders als vorher gehört &#8211; variierte, improvisierte und ihn so in neuem Licht und Sound erklingen lies. Abgesehen davon, dass Cicero&#8217;s rein technisches Können als (Jazz) &#8211; Sänger formidabel ist, sind auch seine  interpretatorischen Feinheiten zu den Inhalten der Songs überzeugend.  Als gutes Beispiel dafür würde ich seine Version des Nancy Wilson Klassikers „Save Your Love For Me“ anführen, die er ungeheuer differenziert  vortrug. In diesem Stück &#8211; sicher eines der Highlights des Abends -  vereinigte sich beeindruckend die klangliche Vielfarbigkeit seiner Stimme mit  Dynamik, Spannung und Emotion zu einer wunderbaren, berührenden  Vorstellung.</p>
<p>Der rhythmisch schnelle Song „Bluesette“ wurde in Baden Baden in einer noch stärker beschleunigten und mitreißenden  Version gebracht. Maze Meusel führte mit  seinem Solo dieses Tempo zunächst weiter, um dann später kreativ sein Spiel abzuwandeln.</p>
<p>Unzweifelhaft ein anderes Glanzstück des Abends war „ My Favorite Things“. Diese ursprünglich eher liebliche Musicalkomposition aus „The Sound Of Music“ haben sich  schon seit den 60er Jahren viele Jazzkünstler  vorgenommen. Im Arrangement von „After Hours“  glänzt der Song schräg und modernistisch. Hier nutzt Roger Cicero wirklich alle Möglichkeiten,  total frei und mit ausgedehntem Scatgesang zu brillieren. Was er hier mit seiner Stimme macht, wie variationsreich er sich rauschhaft  durch die Tonleitern windet, das ist Weltklasse und  zeugt außerdem von seiner  Freude und der totalen Hingabe des Singens. Da es ihm selber so große Freude macht, gelingt es  ihm so gut und überzeugt und erfreut auch die Zuhörenden im hohen Maße.</p>
<p>Eine interessante Besonderheit hatte „My Favorite Things“ außerdem: Das lange Solo von Lutz Krajenski.  Hier zeigte sich der sonst gerne kraftvoll und vital in die Tasten greifende Pianist von einer mir noch unbekannten Seite. In zarter, leicht meditativer Versunkenheit erklang sein Klavierspiel. Sensibel, klar  und auch phantasievoll verspielt, entstand  eine poetisch-pastorale Atmosphäre. Dieser von Lutz Krajenski geschaffene Musikteil &#8211; gleichsam einem Kleinod &#8211; hatte seine eigene Qualität und wirkte wie ein „Extra-Konzert“ im Konzert.</p>
<p>Des öfteren machte Krajenski in seiner Begleitung an diesem Abend übrigens  leichte, spontane  Schlenker in klassisch anmutende Gefilde, die große Heiterkeit bei Cicero auslösten. Überhaupt versprühte das kleine Ensemble gute Laune und viel Freude am Spiel.  Auch hinter der meistens eher ernsten  oder  konzentrierten Miene des Bassisten Hervé Jeanne, der mit faszinierender Sicherheit sein Instrument beherrscht &#8211; es wie ein geliebtes Kind behandelt &#8211; war an diesem Abend eine schöne  Entspanntheit  bei seinem Solo zu spüren. Ich empfinde eine große Übereinstimmung unter den vier Künstlern -allerdings weiß Roger Cicero  auch seine Musiker zu motivieren, indem er sich ihnen während ihrer Soli direkt zuwendet, mit den Fingern schnippt und mit seinen Körper den Rhythmus  betont.</p>
<p>Im weiteren Verlauf des Konzerts wurden auch der Beatles-Song „I Wanna Hold Your Hand“,  in Cicero&#8217;s eigener Bearbeitung  und „Moody&#8217;s Mood For Love“ gespielt.  Letzterer Song wurde vorher von Cicero ausführlich als Eddie JeffersonTitel erklärt und stellte in sofern eine kleine sängerische Herausforderung für Roger dar, weil der Song eigentlich ein Duett ist und er nun den männlichen UND den weiblichen Part singen musste. Hier kam seine bestens beherrschte Kopfstimme zum Einsatz. Eindrucksvoll war bei dem Song abermals eine lange Scatpassage, die Cicero aber  erstmal   völlig anders anging als bei „My Favorite Things“. Er intonierte lange Zeit in den tieferen Tonlagen – sein Scat klang jetzt sanfter und melodischer. Natürlich kam der Knalleffekt seiner Energieausbrüche  später um so heftiger.</p>
<p>Hier zeigte sich wieder Cicero&#8217;s  Riesentalent für den Scatgesang, der immer wieder in furiosen Höchstleistungen gipfelt und eine atemberaubende Darstellung seiner Improvisationskunst ist. Da  ich Cicero gut genug mit seinen deutschsprachigen CDs kenne,  bin ich immer wieder überrascht, wie ganz anders er als „Jazzvokalist“ klingt. Sicher sollte ich es nicht schreiben – und sicher sieht es</p>
<p>Cicero selber ganz anders – aber wie sehr ich auch den deutsch-swingenden oder pop-soul-begabten Roger Cicero mag -  für mich persönlich erlebe ich den „Jazz-Cicero“ als den „wahren“ Cicero. Im Jazzgesang lebt er seine ganze musikalische Kreativität &#8211; im Jazz erstrahlt seine sängerische Ausdrucksscala zum virtuosem Feuerwerk. Diese Musik ist komplexer, anspruchsvoller, interessanter und künstlerischer als Mainstream. Aber alles zu seiner Zeit. Es ist gut, dass es so viele unterschiedliche Musikrichtungen gibt.  Wenn Roger und seine Big Band schwungvoll „Die Liste“ erklingen lassen,  reißt  es mich jedes Mal wieder mit.</p>
<p>Um 21:15  erklärte Roger, sie hätten jetzt schon etwas zu lange gespielt und der letzte Titel „Red Top“ käme nun. Die dynamisch-rhythmische Nummer wurde begeistert mitgeklatscht. Dann verneigte sich die Jazzcrew bei stürmischem Applaus. Es war keine Frage, dass sie um eine Zugabe nicht herum kamen. Ich hatte mich inzwischen von meinem Tisch 27 erhoben und mich seitlich neben die Bühne gestellt um die letzten Songs hautnäher zu erleben. .</p>
<p>Unter Jubel erschienen die Musiker erneut auf der Bühne und ließen fetzig einen langen  „A-Train“ abfahren&#8230;. Das war Jazz vom Feinsten. Wieder Riesenapplaus und der Ruf nach Zugabe. Roger winkte Marc Marshall zu sich heran und sagte, dass sie nun zusammen ein Duett singen würden. „Smile“ sollte es sein – und der Song wäre von Charlie Chaplin – ja, der hätte auch Songs geschrieben, was nicht Jeder wüsste. Aber als der Evergreen erklang, erkannten sicher Viele sofort die träumerisch-wehmütige Melodie. Marc und Roger machten eine schöne Vorstellung, wobei Roger sehr zurück genommen sang.</p>
<p>Kleine Notiz am Rande: Ich trug an diesem Abend eine Krawatte – was selten geschieht -<br />
Auf der Krawatte sind kleine Bilder von Charlie Chaplin eingewebt.</p>
<p>Nachdem ich Chaplins große Autobiographie gelesen hatte, wurde ich zum Chaplin-Verehrer und hatte dann später diese Chaplin-Krawatte bei Ebay ersteigert.</p>
<p>Als die Musiker sich verneigten und dann die Bühne verließen, glaubte ich nicht daran, dass sie  noch  einmal kommen würden. Aber der Beifall war derart laut, riesig und anhaltend – sie mussten sich einfach noch einmal zeigen.</p>
<p>Tatsächlich kamen sie wieder auf die Bühne zurück, und dann brachten sie als wirklich letzte und dritte Zugabe Cicero&#8217;s  fulminante  Coverversion vom Prince-Song: „ How Come U Don&#8217;t Call Me Anymore“. Hier konnte sich Roger in allen Tonarten als dynamischer Soulsänger präsentieren. Die Nummer ist schon lange seine Königs-Disziplin und der Knaller in Livekonzerten. Alle gesanglichen Register werden hier gezogen, von Kopfstimme zum Kreischen oder Quietschen, sirenenartige Klänge wechseln mit stahlharten, hochexplosiven lauten Tönen oder ganz leisen, extrem lang gehaltenen Noten. Der große Stimmumfang von Cicero ist allgegenwärtig.</p>
<p>Normalerweise wird nach einem Song applaudiert, oder nach dem Solo eines Musikers innerhalb des Songs. Hier aber gab es kein Solo – Roger sang sich mit unglaublicher Intensität durch den Song, indem mir völlig neue, so noch nicht gehörte Melodienläufe auffielen. Im zweiten Teil des Songs   wurde seine Performance derart expressiv, dass heftiger Applaus, Pfiffe und Rufe  aus dem Publikum aufbrausten, bevor der Song überhaupt zu ende war.</p>
<p>Dann war wirklich Schluss. Noch immer lautes Klatschen, welches dann langsam verebbte. Nach dieser Nummer war klar, dass jetzt nichts mehr kommen konnte.  Roger und sein drei Musiker waren auch schnell verschwunden. Während des Prince-Songs hatte ich ganz vorne vor den ersten Tischen auf dem Fußboden gesessen. Ich konnte nicht mehr zurück an meinen Tisch, aber auch</p>
<p>nicht  vor den Menschen stehen bleiben und ihnen die Sicht nehmen. Ich hoffe, die Musiker fanden mich jetzt nicht total durchgeknallt.</p>
<p>Mir ist klar, dass diese Konzertbesprechung eine „Jubelhymne“ ist, die ich so  kaum in einer Zeitschrift veröffentlichen würde. Es fehlt doch jede Distanz ! So würde kopfschüttelnd argumentiert.  Dies ist zwar eine „ Fankritik“, aber ich denke, dass ich trotzdem kritisch hinhören kann. Ich begründe mein Lob und  meine positiven Beurteilungen. Jeder kann gegenteilige Argumente dazu anbringen. Ich gebe zu, dass ich dem Jazzvokalisten Roger Cicero stundenlang zuhören könnte.</p>
<p>PS. Das 1995er Album  „Roger Cicero &amp;  After Hours &#8211; There I Go“ steht  bei Amazon ( heutiger Stand)  auf Platz 80 unter Vocal Jazz. Das ist ein recht schöner Erfolg wenn man an die Riesenmenge von Neuerscheinungen auch im Vocal Jazz denkt und deren Bewerbung. Immerhin ist das Album schon fünf Jahre alt. Ich habe es bereits 4 x im Original verschenkt. Zwei Exemplare stehe noch eingeschweißt bei mir im Regal. Standing Ovations  in  Mr. M&#8217;s JAZZCLUB</p>
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		<title>Roger Cicero- SCHOENER WAERE OHNE !!! Oder-DAS REGENKONZERT..</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Aug 2010 16:25:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Roger Cicero&#38; Big Band in Neuwied. Open Air &#8211; Schloss Engers 11. 8. 2010 Ein Konzert im strömenden Regen ist schon eine besondere Erfahrung. Nach einer halbwegs &#8220;trockenen&#8221; Periode gestern vor dem Konzert ( 18-19 Uhr) &#8211; wir saßen in einer Kneipe bei einer sehr „mäßigen“ Abendmahlzeit &#8211; dachten wir, das war&#8217;s hoffentlich mit dem ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roger Cicero&amp; Big Band in Neuwied.  Open Air &#8211; Schloss Engers  11. 8. 2010<br />
<a href="http://www.jazzie.net/wp-content/uploads/cicero-neuwied.jpg"></a><br />
Ein Konzert im strömenden Regen ist schon eine besondere Erfahrung. Nach einer halbwegs &#8220;trockenen&#8221; Periode gestern vor dem Konzert ( 18-19 Uhr) &#8211; wir saßen in einer Kneipe bei einer sehr „mäßigen“  Abendmahlzeit &#8211; dachten wir, das war&#8217;s hoffentlich mit dem Regen.Wir wähnten uns in der Hoffnung doch noch ein regenfreies  Konzert zu erleben.<br />
Wir saßen dann um 19:30  im schönen Schlosshof auf unseren Plätzen &#8211;  es war NOCH trocken &#8211;  jedoch Punkt 20 Uhr verspürte ich einen Tropfen&#8230;. Ich schaute in den Himmel, und fand eine riesige dunkle Wolkenfläche über uns recht bedrohlich!  Um 20:05 kam die Band auf die Bühne und sofort nach dem kurzen Intro der Band und dem Erscheinen von unserem Star Roger Cicero, ging&#8217;s los mit einem Regen, der uns alle im weiteren Verlauf des Konzerts &#8220;gewaschen&#8221; hat. Das Regencapé hielt vorläufig die Schultern und den Kopf noch trocken &#8211; aber schon bei &#8220;Ohne Worte&#8221; dachte ich, für diesen &#8220;gemeinen&#8221; Regen habe ich keine Worte mehr&#8230;!  Das war einfach &#8220;to much&#8221;!  Roger meinte übrigens, dass der Regen  ziemlich &#8220;laut&#8221; auf unsere Plasikcapés tropfe&#8230; Stoff wäre besser und leiser. ￼    Nach der Konzertpause hörte es  während  3-4 Songs mal auf zu regnen – aber dann ging&#8217;s wieder los, und zwar heftig!</p>
<p>Noch vor Ende, des Konzerts -Roger fing gerade mit &#8220;Murphys Gesetz&#8221; an, -waren wir alle wie geduscht ! Erbarmungslos prasselte der Regen auf uns nieder. Roger hat dann wunderbar einen neuen, zum Wetter passenden Text am Ende von &#8220;Murphys Gesetz&#8221;  improvisiert! Und nicht nur da. Kein Mensch sollte behaupten, Roger Cicero könne nur vorgefertigte Sätze in der Überleitung zu seinen Songs sagen. Dieses Konzert bewies das Gegenteil ! Seine Moderation oder Kommunikation mit dem Publikum war sicher, spontan, improvisatorisch, heiter  und schlagfertig!<br />
MUSIKALISCHE IMPROVISATIONEN hat Roger Cicero&#8217;s Gesang zudem in jedem Song parat &#8211; auch nach der x-ten Interpretation, da muss sich niemand Sorgen machen. Er ist viel zu musikalisch, um einen Song jedes Mal gleich zu singen. Immer wieder phrasiert und ändert er Noten und den Rhythmus  seiner Songs neu, betont anders,- schafft so ganz neue Akzente.  Auch wer ihn schon oft live erlebt hat: Cicero überrascht und erstaunt bei jedem Konzert auf&#8217;s Neue mit seiner Power und einer  Intensität die einfach beeindruckt. Man spürt – dieser Mann gibt in jedem Song alles was zu geben ist.   Das betrifft diesmal besonders seine Unplugget-Version vom leisen Liebeslied: &#8220;Fachmann in Sachen Anna&#8221;!<br />
Nach dem instrumentalen Teil, wenn Bassgitarre  und Percussion akustisch kristallklar wummern &#8211; man hat noch die samtenen, traurigen Klänge seiner Stimme im Ohr &#8211; legt er plötzlich in einer anderen, echt expressiven Gesangsart los. Er schreit die Verzweiflung und Trauer, von der das Lied handelt &#8211; laut und in harten, hohen Tönen heraus &#8211; Töne, die einen gemessenen Wohlklang längst verlassen haben. Das gehört klar in die Kategorie &#8220;Soul&#8221; und so habe ich den Song noch niemals gehört. Klasse, Roger !   Beim Song &#8220;Geboren&#8221; denke ich jedes Mal : das war jetzt seine beste Version! Aber von wegen: Im Schlossgarten von Neuwied-Engers  hat Roger sich bei dem Song erneut übertroffen!!! Mehr geht nicht, schießt es mir durch den Kopf.. Gabriel Coburger und Roger brachten ein mitreißendes, schier überschäumendes und dabei sehr variables Jazzduett! Coburger&#8217;s Saxophon und Rogers Stimme &#8211; einfach nur brillant. Eine „Tour de force“ von großem musikalischem Ideenreichtum.</p>
<p>Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, warum Roger Cicero immer noch ein relativ stark polarisierender Künstler ist &#8211; nicht in den wirklichen Musikfachkreisen- aber doch bei etlichen Liebhabern von Pop oder Jazz. Jene, die ihn offensichtlich gerne  unterschätzen, bräuchten dringend eine &#8220;Cicero-Livelektion&#8221; – die sie garantiert erstaunen würde.  Keine Frage , dass auch die „Fantastische Big Band“  wieder &#8221; first class&#8221; war. Wie punktgenau auf den Bruchteil einer Note alle Musiker spielen müssen, zeigt besonders schön das furiose Ende von &#8220;Murphys Gesetz&#8221;. Der  Cicero-Hit aus dem Album „Männersachen“( 2006),  welcher inzwischen beim Live-Artgerecht-Programm zu einer Art Funk-Gospel mutierte,  läßt in jedem Konzert die Besucher ekstatisch mittanzen und singen. Überschwappende Dynamik = BEGEISTERUNG PUR !</p>
<p>Diesmal konnte Roger seine Big Band mit seinen stakkatoartigen Sprechgesangssalven etwas überlisten&#8230; einen Tusch spielten sie zu viel. ￼   ( nach meinem Gehör&#8230;)  Machte aber nichts &#8211; im Gegenteil, das trug zur Stimmung bei, die sich aber eh nicht mehr steigern konnte&#8230;.   Die Leute waren alle total &#8221; aus dem Häuschen. Roger hielt nichts zurück &#8211; er gab sich ganz. Mit seinem Publikum konnte er allerdings auch zufrieden sein: Er wurde umjubelt und musste viele Hände schütteln – und das Beste: Tatsächlich haben nur wenige Besucher wegen des Regens das Konzert vorzeitig verlassen.  Roger meinte zum Abschied:  &#8220;Ihr seid die Hartgesottensten&#8221; die ich je erlebt habe, und er würde die Wetterverantwortlichen ( oder so ähnlich)  &#8220;so was von verklagen&#8221;&#8230;&#8230;.<br />
Leute , es war wieder ein Superkonzert &#8211; aber : schöner wär&#8217;s ohne&#8221; gewesen &#8211; kein Zweifel!&#8230;</p>
<p><strong>***<br />
Zur Erklärung für               Uneingeweihte:  Die Überschrift dieser Besprechung ist               eine               Anspielung auf seinen Song</strong><strong> Schöner war&#8217;s ohne“      (Auf der CD               „Beziehungsweise“ , 2007)   <img src='http://www.jazzie.net/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /><br />
</strong></p>
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		<title>Roger Cicero GROSSE SPIELFREUDE, PROFESSIONALITÄT  UND RHYTHMUS</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 08:25:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Beim Konzert in der Kölner Lanxess-Arena begeisterte Roger Cicero und Band, wie immer mit beeindruckender Professionalität und Spielfreude. Ich habe das &#8220;Artgerecht-Konzert&#8221; nun zum dritten Male genossen &#8211; und kann nur sagen, dass meine ausführliche Rezension vom Bonner Konzert, (auch hier unter meinen Rezensionen zu lesen: „Roger Cicero- Authentisch-trotz Hut“ ) voll und ganz auch ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.jazzie.net/wp-content/IMG_7946_ee-300x200.jpg" alt="" title="IMG_7946_ee" width="300" height="200" class="alignleft size-medium wp-image-1072" />Beim Konzert in der Kölner Lanxess-Arena begeisterte Roger Cicero und Band, wie immer mit beeindruckender Professionalität und Spielfreude.</p>
<p>Ich habe das &#8220;Artgerecht-Konzert&#8221; nun zum dritten Male genossen &#8211; und kann nur sagen, dass meine ausführliche Rezension vom Bonner Konzert, (auch hier unter meinen Rezensionen  zu lesen: „Roger Cicero- Authentisch-trotz Hut“  )<br />
voll und ganz auch auf das Kölner Konzert zutrifft &#8211; wenn es um die Songs, um Rogers Gesang im allgemeinen und um die Musiker geht – und weniger um das Publikum, Stimmung und Atmosphäre &#8230;.<br />
Über die Musik kann ich in sofern nur in ausgesuchten Details -(was mir in Köln auffiel) &#8211; schreiben. </p>
<p>Denn das ganze Programm &#8211; (Songs und Moderation) &#8211; läuft auch in Köln mit absoluter Präzision, überrascht aber dennoch immer wieder mit kreativen Improvisationen. Die fallen natürlich den Fans eher auf, als den weniger kundigen Cicero-Besuchern. Stimmlich herausragend fand ich persönlich (u.a. ) diesmal Rogers Vortrag von „TABU“. Direkt und kontrastreich nach dem fetzigen „Hinterm Steuer“ plaziert, berührt der Song mit seiner Emotionalität besonders.<span id="more-1071"></span></p>
<p>Wer jetzt noch nicht hört, dass dieser Mann mit einer wunderbaren Stimme gesegnet ist und fantastisch singen kann, dem ist wohl nicht zu helfen.</p>
<p>Auch die Kölner Version vom Fanta 4 Cover “Geboren“ , fand ich diesmal herausragend. Der Scat-Gesangspart am Ende des Songs kam mir diesmal länger und dynamischer vor als in Bonn. Nach wie vor finde ich, dass niemand in Deutschland diesen Jazzstil so grandios beherrscht wie Roger Cicero. Es könnte aber durchaus sein, dass so mancher Konzertbesucher mit Scat-Gesang  wenig anfangen kann,- besonders dann, wenn er bisher wenig Erfahrung mit Jazz und dem Scat-Gesang  hatte.  </p>
<p>Ich bin nun ein ausgesprochener Fan von Scat-Gesang. Ich finde , dass gerade beim „ scatten“  das Talent zur musikalischen Improvisation sich am besten entfalten kann&#8230;. hier kommt die Musikalität eines Sängers, sein künstlerisches Temperament, sein Rhythmusgefühl ganz besonders deutlich und individuell zum Ausdruck. Der Scatgesang ist eben reinster Jazz, weil der wichtigste ( und vielleicht schönste) Bereich der Jazzmusik die freie Improvisation ist. Und weil die menschliche Stimme zu einem Instrument wird. Das hat Roger Cicero wieder einmal bei „Geboren“<br />
im Duett mit Stephan Abels und seinem Saxophon gezeigt. </p>
<p>In fast allen Fan-Forums-Beiträgen zu diesem Konzert wird betont, dass der erste Teil des Konzertes beim Publikum keine rechte Stimmung entfachen konnte – und auch von den Songs her eher mittelmäßig war. Ich sehe das ein wenig anders. Auch der erste Teil hatte tolle Songs und künstlerische Höhepunkte ( wie soeben beschrieben) und endete zudem fulminant mit dem mitreißendem „Spontis zeugen Banker“, bei dem die Menschen tanzten und klatschten. </p>
<p>Ich möchte zudem nicht unerwähnt lassen, dass Roger mit dem „ alten“ Song „Wenn sie dich fragt“ (vom Album „Männersachen“) sicher eine der besten Versionen des Songs in Köln gelang. Ein wunderbarer Song! Das war auch im ersten Teil. </p>
<p>Ein Konzertprogramm, welches von Anbeginn unausgesetzt eine fetzige Nummer nach der nächsten spielt, wird eintönig und büßt an Wirkung ein. Irgendwann klingt alles gleich. Wenn der Höhepunkt der Dynamik dauerhaft überschritten wird , niveliert sich die Wirkung . Und ehrlich gesagt, so gerne wie ich bei vielen Songs stehend und im Rhythmus wippend die ganze Zeit mit klatsche – ich muss das nicht während eines ganzen Konzerts haben. Ich brauche auch die Ruhe und volle Konzentration auf Midtempo-Songs wie &#8220;Ich bin dabei&#8221; oder auf ein besinnliches Stück, wie zum Beispiel für die wunderbare „ unplugged“ Version von „Fachmann in Sache Anna“. </p>
<p>Ruhe und Konzentration war aber im Kölner Konzert bisweilen ein eher schwieriges Unterfangen. Auch bei den lauten Stücken, die die Halle in Begeisterung versetzte, möchte ich nicht dauernd Kommentare bis ganze Gespräche von den Menschen um mich herum hören, die mich von der Musik ablenken. </p>
<p>Ich bin mehr oder weniger entsetzt vom Verhalten vieler Konzertbesucher. Das offenbar angetrunkene Paar, von vielen Forumsmitgliedern hier bereits negativ beschrieben, setzte diesem unverschämten Verhalten die Krone auf. Nachdem der junge Mann mit Hut, während seiner dämlichen Verrenkungen, Roger bereits den Stinkefinger zeigte,hätte er samt seiner Partnerin zumindest auf seinen Platz verwiesen werden müssen. </p>
<p>Aber ich fühlte mich auch von den Kindern am Bühnenrand gestört, die allesamt mit Handys und Popcorntüten ausgestattet waren, und sich gerade beim ruhigen „Anna-Song“ unterhielten, als ob sie auf der Straße wären. Auch ihre dahinter stehenden Mütter stellten während des Songs in voller Lautstärke irgendwelche Fragen an einen Mitarbeiter der Lanxess-Arena. Ein solche Missachtung den Künstlern gegenüber, macht mich ziemlich fassungslos. </p>
<p>Ich möchte jetzt nicht missverstanden werden: Gegen „Stimmung“ habe ich nichts! </p>
<p>Die Begeisterung und das „Mitgehen“ des Publikums ist ja auch eine tolle Bestätigung für die Künstler. Aber es entspricht nicht meinem Geschmack, wenn aus einem Konzert nur noch „Stimmung + Party“ wird. Die Musik sollte immer die Hauptsache bleiben. Ich mag keine Besucher um mich herum, die sich mit Getränken und Popcorn eindecken, die dauernd während der Musik Kommentare zu anderen Bekannten herüber rufen müssen – welche dann natürlich neue Kommentare nach sich ziehen. </p>
<p>Dadurch entsteht eine ständige Unruhe und Ablenkung von der Musik. Man kann sich auch nach einem Stück kurz austauschen. Und wenn es nach mir ginge: Getränke und Esswaren raus aus der Konzerthalle ! Ist es so schwer, und zu viel verlangt, diese Störfaktoren mal für ein, zwei Stunden wegzulassen und sich stattdessen vollkommen auf die Künstler und ihre Musik zu konzentrieren? </p>
<p>Aber das ist sicher auch ein Generationsproblem. Als ich dem etwa 14jährigem Jungen, der während „Anna“ dauernd redete, ( aber die Mutter tat es ja auch..LOL) ein unmissverständliches Zeichen gab, sah mich dieser an, als käme ich von einem anderen Stern!</p>
<p>Das war der Unterschied zum Bonner Konzert. Diese Art von „Stimmung“ , zumindest wie ich sie in der ersten Reihe erlebt habe, war mir einfach  „ to much“! </p>
<p>Ich hatte den Eindruck, dass Roger Cicero auch diese, ich will es mal milde ausdrücken „Unaufmerksamkeiten“ bemerkte. Sein Gesang wurde immer engagierter &#8211; er brachte alle Energie auf, eine gute Vorstellung zu geben &#8211; was ihm auch gelang . Und er wirkte weiterhin gut gelaunt. </p>
<p>So war trotz meiner Kritik am schlechten und oberflächlichem Verhalten vieler Besucher, der Zuspruch gewaltig. Die Zugaben waren fantastisch!!! Und als er dann nach unaufhörlichem Applaus &#8211; die Bühne war inzwischen leer &#8211; noch einmal herausgeklatscht wurde- sang Roger zur großen Begeisterung aller, und nur zur Pianobegleitung von Lutz Krajenski „König von Deutschland“ . Das wurde in Köln auch fast erwartet – und dass da nun alle mit sangen, war verständlich. </p>
<p>© Werner Matrisch, 18. Januar 2010 </p>
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		<title>Roger Cicero AUTHENTISCH &#8211; TROTZ HUT !</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 19:27:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Bonn- Roger Cicero und seine ARTGERECHT- Tour Konzert in der Beethovenhalle am 6. November 2009. Fast das komplette neue Album von Roger Cicero, nämlich 12 Songs von 14, werden auf seiner aktuellen Konzerttour vorgestellt. Das neue Programm ist gut und spannungsreich durchmischt mit seinen vorherigen Erfolgen wie „Murphy’s Gesetz“, „Kompromisse“ u a. &#8211; welche alle ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bonn- Roger Cicero und  seine  ARTGERECHT- Tour Konzert in der Beethovenhalle am 6. November 2009.<br />
Fast das komplette neue Album von Roger Cicero, nämlich 12 Songs von 14, werden auf seiner aktuellen Konzerttour vorgestellt. Das neue Programm ist gut und spannungsreich durchmischt mit seinen vorherigen Erfolgen wie „Murphy’s Gesetz“, „Kompromisse“ u a. &#8211; welche alle von Lutz Krajenski neu arrangiert wurden. Einige Songs werden jetzt deutlich schneller gespielt &#8211; „Tempo“ oder „heftige Rhythmen“ sind auf der neuen Konzerttour vorrangig und noch präsenter als auf der vorherigen Tour &#8211; besonders im zweiten Teil der Vorstellung. </p>
<p>ENTERTAINER<br />
Längst hat sich Roger Cicero zum glänzenden Entertainer entwickelt – was hauptsächlich sein lockerer Präsentationsstil, die immer souveränere Performance insgesamt beweist. Sein reines Gesangstalent &#8211; diese perfekte Mischung von präziser Intonation und Improvisationsfreude &#8211; sowie seine mühelos über Oktaven kletternde Stimme waren seit Beginn der Roger Cicero Karriere vorhanden und nie ein Problem. Schließlich hatte er schon vor vielen Jahren seine Ausbildung in Jazzgesang und zahlreiche Auftritte in Clubs und Kneipen absolviert. <span id="more-1039"></span></p>
<p>OHNE WORTE<br />
„Artgerecht“, das neue Album zeigt eine stilistische Kursänderung in Richtung Pop, Soul und Motown. Schon der zweite Song des Konzertes „Ohne Worte“ beginnt mit swingentferntem souligen Sound und sicherem Falsettgesang, den seine Fans bestens vom grandiosen Princecover „How come U don’t call me anymore“ kennen. Die große Wandlungsfähigkeit von Cicero’s Stimme zeigt sich in der Polarisation von weichem Klang in den Tiefen bis zu den hohen Extrempassagen mit metallischer Härte. Dabei bleibt sein Gesang immer klangschön, nicht gepresst sondern einfach kraftvoll. Tonumfang und Volumen seiner Stimme sind mitunter geradezu verblüffend. </p>
<p>KUNSTFIGUR ?<br />
Mitunter kann man jetzt in der Presse Kommentare zu Cicero finden, die ihn immer mehr zu einer „Kunstfigur“ abstempeln möchten. Lapidare oder „dankbare“ Gründe dafür sind lediglich sein Outfit: der Hut, den er niemals abnimmt – seine stete Eleganz, usw. Ich sage dazu: Wenn Herr Cicero sonst nichts vorzuweisen hätte, wäre er vielleicht eine „Kunstfigur“.<br />
Wenn jemand aber mit so viel natürlicher Musikalität, Freude und großem Talent wie Roger Cicero Musik macht, ist ein Mensch so authentisch wie nur möglich. Seine Performance beweist seine Authentizität &#8211; Hüte und Klamotten können nicht daran kratzen. </p>
<p>SONGTEXTE<br />
Natürlich sind auch die Songs von „Artgerecht“ textinhaltlich geprägt von den zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie unterhalten wenig tiefgründig, ( wie sollte das auch gehen in drei Minuten?), aber immer kurzweilig und originell. Zumindest sehr zeitgemäß werden die Schwierigkeiten und Freuden von Liebe, Trennung, Leidenschaften und Sehnsüchten behandelt – diese ewigen und elementaren Themen der Menschheit. Songs wie „Tabu“, „Seine Ruhe“, oder „Wenn ich dich los wär“ sind gute Beispiele dafür. </p>
<p>Entgegen vieler Kritiker, die gerne auf den natürlich „unausweichlichen“ Klischees dieser Inhalte herumreiten, und damit oft ihre kompletten Konzertkritiken ( sehr unzureichend ) bestreiten, bin ich wesentlich mehr an der Musik und an den ausübenden Musikern interessiert. Ich finde es wichtiger ihnen Tribut zu zollen und darüber zu berichten, denn Musik besteht für mich in erster Linie aus „Tönen“ und nicht aus „Worten“! </p>
<p>BIG BAND<br />
Wie schon in den vorherigen Konzerttouren, bleibt Roger Cicero’s Big Band weiterhin eine wirklich „fantastische Bigband“ deren Musiker alle auch hervorragende Solisten sind. Zündende Soli einzelner Musiker gab es zwar wieder, aber es hätten auch mehr sein können &#8211; für meinen persönlichen Geschmack. Leiter, Arrangeur und Pianist Lutz Krajenski spielt da gewiss die wichtigste Rolle. Er ist mit seinen vielseitigen, musikalischen Fähigkeiten unersetzlich für die Big Band. Für die neue Artgerecht-Tour wurden zwei weitere Musiker engagiert: Ulle Rode, Gitarre &#038; Chor, sowie Robbie Smith, Percussions &#038; Chor. Sie erwiesen sich im Konzert als eine Bereicherung –nicht nur was den veränderten Sound in Richtung Pop und Soul betrifft. </p>
<p>FACHMANN IN SACHEN ANNA<br />
Robbie Smith und Schlagzeuger Matthias „Matze“ Meusel beeindruckten das Publikum mit einen faszinierendem, virtuosem Solo. Ulle Rode spielt neben Robbie Smith und Hervè Jeanne, ( der bitte seinen neuen Bass unbedingt behalten möge!) auch bei „Fachmann in Sachen Anna“. Hier greift auch Roger zum ersten Male in einem Konzert zur Gitarre. Der Song kommt nach einem wahrlich aufpeitschendem „Nicht Artgerecht“ (erst bebte der Saal in dröhnenden Bassvibrationen &#8211; später stand die ganze Halle Kopf&#8230;), als ein unerwarteter Ruhepol. Wundervoll im akustischem Klang der sparsamen Instrumente &#8211; vorab als „ unplugged-Version von Cicero angekündigt, hat dieses Stück wohl alle Konzertbesucher berührt. </p>
<p>Nach vielen energiegeladenen Powersongs war manch einer vielleicht überrascht, wie empfindsam und mit wie viel geschmeidiger Weichheit Cicero auch eine solche Moll-Tristesse bringen kann. Man(n) oder Frau sitzt da gebannt und denkt: besser geht’s doch eigentlich nicht! Es mögen die plötzlichen, wohligen Endorphine, die momentan sich ausbreitende Euphorie sein, die einen so empfinden lässt – aber nur durch eine derart glückliche Vorstellung des Künstlers werden solche Empfindungen erst mal „ geboren“. </p>
<p>Ich dachte während des Songs &#8220;Fachmann in Sachen Anna&#8221; dass diese Musik eine weitere gute Chance für ein Cicero-Album ganz anderer Art wäre. Es muss nicht immer Big Band und Swing sein, auch wenn ein Cicero-Slogan schon früh formulierte: „Egal was es ist &#8211; es muss swingen“. Balladen, die Cicero bereits vor seiner CD „Männersachen“ sang (Rivermann von Nick Drake, The Wedding, von Ibrahim Abdullah u.a.) zeigen ihn als einen wunderbar sensitiven, sehr modulationsfähigen Sänger. Er sollte diese musikalische Seite nicht zu sehr vernachlässigen. Sein Artgerecht-Konzertprogramm enthält von ca. 25 Songs lediglich zwei richtige Balladen. </p>
<p>GEBOREN<br />
Stichwort „Geboren“. So heißt auch ein Titel der „Fanta 4“ der von Cicero auf geniale Weise gecovert wurde und dessen Wiedererkennungswert durch die extrem jazzige Art durchaus erschwert sein könnte! Ebenso wie beim Grönemeyer-Cover „Männer“ hat Lutz Krajenski sich hier mit einem herrlichen Big Band Arrangement ausgetobt. Eine mitreißende Version, bei der Roger Cicero sein ganzes überragendes Jazzfeeling ausdrücken kann. „Geboren“ endete mit dynamischen Scat, im Wechsel mit Stephan Abels Saxophon. Sie waren in ihren freudesprühendem Duett gleichermaßen virtuos wie mitreißend. Die Nummer, eine meiner Highlights in Bonn, zeigte eindeutig, dass Roger Cicero beim scatten &#8211; zumindest in Deutschland &#8211; unerreicht ist. Ich wüsste niemanden bei uns, der diesen hochpotenzierten „Cicero-Drive“ erreichen könnte. </p>
<p>PUBLIKUMS-FEEDBACK<br />
Wenn das Bonner Publikum im zweiten Teil des Konzertes bereits nach ein paar Songs durchweg bis zum Ende der Vorstellung sozusagen „ senkrecht“ stand &#8211; klatschte, tanzte, und sich am Bühnenrand drängte soweit der Platz reichte &#8211; dann könnte man sagen, Cicero und seine Mannschaft haben da wohl was richtig gemacht! Die Schwierigkeit, ein Programm noch kurz vor Ende weiter zu steigern, nachdem sich ein Hit an den nächsten reihte und die Vorstellung des vorletzten Songs „Wenn ich dich los wär“ wirklich FULMINANT war, wurde tatsächlich im Bonner Konzert vollbracht. </p>
<p>MURPHY&#8217;S GESETZ &#8211; DIE ÜBERWÄLTIGENDE ABSCHLUSSNUMMER<br />
Lutz Krajenski schaffte mit seinem neuen Arrangement für „Murphy’s Gesetz“ für Cicero die Voraussetzung, aus dem Song eine lange und überwältigende Abschlussnummer zu machen. Wesentlich schneller gespielt und gesungen als bisher, entwickelt der Song eine starke, überbordende Dynamik. </p>
<p>Als der Song sozusagen in voller Fahrt war, forderte Cicero erst die Männer und dann die Frauen auf, in eben diesem schnellen Rhythmus wechselweise „Murphy’s Gesetz“ zu singen. Während er selbst über die Saalstimmen hinweg weiter die Melodie sang und der satte Big-Band-Sound allgegenwärtig war, erreichte der Song eine bisher nicht gekannte Spannung und Intensität. </p>
<p>GOSPEL ?<br />
Diese Performance stand haushoch über dem Niveau einer billigen Mitmachklatschnummer!<br />
Das war gemeinsames Erleben! Die Art und Weise, wie das nicht aufhörte und sich steigerte, erinnerte mich bald schon an ekstatische Gospelgesänge, in denen mit der ständigen, taumelartigen Wiederholung von Worten oder Gebeten eine Trance erreicht wird. „Taumel“ hatte das Publikum bereits erfasst, und zumindest eine Art von Trance wäre dann vielleicht nur noch eine Sache von weiteren Minuten gewesen – jedenfalls bei mir (LOL)</p>
<p>Am Ende, als der Song eigentlich zuende ist, kommt endlich das sehnlichst erwartete Hammondorgel-Solo von Lutz Krajenski – und ist elektrisierend wie immer! Wenn Roger ihm dann in kurzen Abständen immer wieder in höchster Lautstärke Vokalsalven zuschleudert, Lutz diese mit dröhnendem Schlag auf die Orgel quittiert, wird „Murphy’s Gesetz“ endgültig zu einer “Overkill-Nummer“. </p>
<p>Trotz stakkatoartigem Rhythmus, trotz aller zungenbrecherischer Verve, kommt bei Roger jeder Ton, jede Nuance klar, sauber und gekonnt. Zeit für kleine musikalische Schlenker und Improvisationen lässt sich Cicero dabei immer – weil es ihm Spaß macht. Die Freude schwingt immer mit. Ich kann nur sagen: Roger, für uns war es auch wieder eine große Freude,<br />
Dir zuzuhören ! </p>
<p>FÜR &#8216;NEN KERL<br />
Nach frenetischem Applaus folgten zwei Zugaben. Letzter Song war Roger Cicero’s Hommage oder Ode an seinen kleinen Sohn „Louis“, dem er auch sein Album Artgerecht widmete. „Für ’nen Kerl“ geriet ihm anders, als seine andere, sehr persönliche und stark gefühlsbetonte Ballade für seinen Vater Eugen Cicero: „Ich hätt’ so gern’ noch Tschüß gesagt“. Der Text von „Für ’nen Kerl“ ist eher burschikos und verschmitzt gehalten und lässt nicht diese Traurigkeit aufkommen, wie bei der Hommage an den verstorbenen Vater. Auch musikalisch unterscheiden sich diese zwei intimen Cicero-Songs voneinander. Bei „Ich hätt’ so gern’ noch Tschüß gesagt“, saß Cicero allein ohne Big Band auf leerer Bühne an seinem Piano. Die ruhige Melodie wurde in manchen Passagen unterbrochen von emotionalen Ausbrüchen – um dann wieder ruhig zu werden. „Ich hätt’ so gern’ noch Tschüß gesagt“ war immer eine tief bewegende Vorstellung und nach Ende des Songs herrschte im Konzert erst mal Schweigen, bevor man applaudierte. </p>
<p>„Für ’nen Kerl“ ist musikalisch eine Blues-Ballade, mit breitem Big Band Sound. Weder süßlich oder sentimental singt Cicero einfach, aber doch mit viel Gefühl davon, dass er niemals gedacht hätte, „soviel für einen Kerl zu empfinden, soviel für einen Kerl zu tun.“ Ein schöner Song, musikalisch wie textlich, dabei sehr sympathisch. </p>
<p>MUSIKALISCHER KURSWECHSEL ?<br />
Anfangs schrieb ich in dieser Rezension über den musikalischen Kurswechsel von „Artgerecht“. Die Livepräsentation der Songs zeigt aber, dass das Instrumetarium einer Big Band, und insbesondere DIESER Big Band nach wie vor Jazz und Jazzakzente eines Cicero-Konzertes dominieren. Jetzt wurden zwar mehr pop- als swingstrukturierte Songs gespielt, Soul- und Motown waren ansatzweise auch dabei. Aber die Ausdrucks- und Artikulations-Charakteristik von Ciceros Gesang, können niemals seine Ausbildung im Jazzgesang, und auch nicht seine große Affinität und Begabung dafür verbergen. Die Zwänge der Vermarktung und gute Verkaufzahlen von CDs, DVDs usw., verlangen heute mehr denn je die Anpassung an den Markt. Hoffen wir, dass Roger Cicero’s Talent und seine zukünftigen Karriereschritte sich weiterhin und noch richtungsweisender in einem für ihn adäquaten Kurs bewegen.</p>
<p>(c) Werner Matrisch, 8. November 2009</p>
<p>STAR FOR A DAY!<br />
Sorry, ich habe die Aktion „Star For A Day“ fast vergessen. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass diese Aktion für mich nicht besonders wichtig ist. Es ist eine nette Einlage – besonders wenn man hübsche junge Frauen sehen will, denn unattraktive werden wohl eher nicht ausgewählt. Letztendlich ist es doch so, dass die jeweilig Sängerin weniger als fünf Minuten insgesamt singt. Die Aufmerksamkeit, die diese Aktion erlangt, dürfte so gesehen ausreichend sein! Der Bonner „Star“ hat überraschend gut gesungen. Eine nicht uninteressante Stimme mit eigener dunkler Färbung und einem leicht sexy Timbre. Sie hat ihre Sache gut gemacht – und in ihrem Erscheinungsbild Amy Winehouse etwas nachgeeifert. Schwarzhaarig war sie auch &#8211; nur der „Bienenkorb&#8221; war nicht so ausgeprägt.</p>
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		<title>Roger Cicero’s  neue Wege: Vielfarbig und  spannungsreich !</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 05:39:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Roger Ciceros’s neue CD „Artgerecht“ ist wegen der ambitionierten, aber auch etwas unbekümmert stilistischen Vielfalt, nicht einfach zu rezensieren. Eben Cicero’s eigene Aussage, dass es sein bisher bestes Album sei, macht eine genaue Beurteilung gerade für einen Fan schwierig, als der ich mich ja nun in vielen Besprechungen seiner Aufnahmen geoutet habe. Als „Fan“ seiner ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.jazzie.net/wp-content/acover_artgerecht.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-811" title="ARTGERECHT ( CD vom 3. April 2009)" src="http://www.jazzie.net/wp-content/acover_artgerecht-300x256.jpg" alt="ARTGERECHT ( CD vom 3. April 2009)" width="300" height="256" /></a>Roger Ciceros’s neue CD „Artgerecht“ ist wegen der ambitionierten, aber auch etwas unbekümmert stilistischen Vielfalt, nicht einfach zu rezensieren. Eben Cicero’s eigene Aussage, dass es sein bisher bestes Album sei, macht eine genaue Beurteilung gerade für einen Fan schwierig, als der ich mich ja nun in vielen Besprechungen seiner Aufnahmen geoutet habe. Als „Fan“ seiner Musik will ich zumindest versuchsweise seinem neuesten Werk, trotz subjektivem Empfindens, gerecht werden: dieser CD, die so sehr „seiner Art“ gerecht sein soll. <span id="more-808"></span></p>
<p>Der hauseigene Pressetext klotzt verkaufsstrategisch legitim mit Superlativen, aber wenn ich davon etwas abstreiche, freut es mich „Artgerecht“ nach häufigerem Hören als ein überwiegend gutes Album einzuschätzen. Die Singleauskoppelung  „Nicht Artgerecht“ habe ich hier schon an anderer Stelle  ausführlich besprochen.  Fangen wir erst mal mit den „Highlights“ an.</p>
<p>Mit Song Nr. 5 „SPONITS ZEUGEN BANKER“ ist Cicero und Band  100% gelungen, was angestrebt war: es fetzt und groovt in Reinkultur! Akzentuierte Bläsersätze  und Hintergrundchor sind fantastisch arrangiert. Textlich glänzt der Song mit Wortwitz und Satire. Mehr Funktitel auf der CD hätten noch  eindeutiger Cicero’s überall proklamierte  „soul- und motownorientierte“ Richtung bewiesen. Aber das Album will breitere, voneinander differierende Käuferschichten erreichen, wie es die Songs denn auch mit ihrer starken Unterschiedlichkeit versuchen.</p>
<p>In Balladenform kommt bei „OHNE WORTE“ Cicero’s  Soulbegeisterung noch einmal stark zum Ausdruck. Vollkommen sicher intoniert er eingangs Falsettgesang, und brilliert danach mit seiner kraftvollen, flexiblen Stimme, die intensiv mit dem in Prince-Manier inszenierten Chor effektvoll kontrastiert. Ein schöner Song!</p>
<p>Es ist verständlich, dass Roger Cicero immer die Songs erstklassig gelingen, bei denen eine sehr persönliche Motivation ihn getrieben hat. Bester Titel auf „Beziehungsweise“ ist für mich seine Hommage an seinen Vater. Auf „Artgerecht“ ist es die Liebeserklärung an seinen Sohn Louis, dem auch das gesamte Album gewidmet ist. „FÜR ’NEN KERL“ halte ich für eines der  musikalisch anspruchvollsten und stimmigsten Lieder der neuen CD.  Satter Big-Band-Sound, der auch einem Ray Charles gefallen hätte, dominiert den Song. Egal, ob man das nun eine  „jazzige „Soulballade“ oder eine „ bluesige  Jazzballade“ nennen will – es klingt richtig gut. Der Text ist persönlich, aber frisch gewordene Väter können sich sicher sofort damit identifizieren.sein.  Gefühlvoll, aber larmoyanzfrei und stellenweise auch recht drastisch.</p>
<p>Als weiteres Highlight sticht „WENN ICH DICH LOS WÄR“ mit eindringlicher, ohrwurmverdächtiger Melodie und einem typischem Motown- Arrangement, &#8211; inklusive Streicher &#8211; hervor. Lutz Krajenski hat hier ein schönes Hammond-Solo. Neben „Spontis zeugen Banker“ ist „Wenn ich dich los wär“ noch ein Titel, bei dem der „Retro -70s-sound“ ausgezeichnet  funktioniert.</p>
<p>Die Güte des Songs „ICH BIN DABEI“ erschloss sich mir erst nach mehrmaligem Hören. Soundmäßig klangen so in den frühen Siebzigern die Arrangements verschiedener Burt Bacharach Kompositionen, die ich immer sehr austauschbar fand. Diese Art Arrangements mit ihren Streichern bringen den Song irgendwie automatisch in die Nähe von „Easy Listening“, was nicht unbedingt meinem Musikgeschmack entspricht. Aber „Ich bin dabei“ ist eine sehr reizvolle Komposition geworden. Der Titel pendelt zwischen Romantik  und leichter Melancholie. Die erzählte Geschichte ist gut nachvollziehbar – jeder der über zwanzig ist, kennt solch eine Situation.</p>
<p>Weil der Song “UND SONST SO“, vom Stil und Arrangement her ziemlich  ähnlich klingt wie „Ich bin dabei“, aber die Originalität der Melodie dagegen abfällt, wäre dieser Song trotz der nicht uninteressanten Story auf dieser CD für mich wirklich verzichtbar.</p>
<p>Vielleicht sollte Roger Cicero doch ab und zu ein gutes Cover integrieren. Mit jedem seiner bisherigen Cover (Wenn ich den Blues nicht hätt’, König von Deutschland, Tausendmal berührt, Männer, Schieß mich doch zum Mond, der Prince Song: How come U Don’t call me anymore) hat Roger Cicero musikalische Souveränität gezeigt und seine stimmliche Bandbreite mit Virtuosität  bravourös durchgesetzt. Seine Covers wirken authentisch. Erst wenn die Komposition stimmt – also mit wirklich interessanten  Songs &#8211; kann ein guter Sänger sich immer am besten künstlerisch entfalten.</p>
<p>Wenn ich dann einen Song wie „SEINE RUHE“  höre, denke ich – schön, stark rhythmusbetont, hört sich nicht schlecht an. Aber war „Experiment“ ( auf „Beziehungsweise“) nicht recht ähnlich, aber einfach besser?  Also auch hier könnte ich mir ersatzweise ein starkes Cover vorstellen.</p>
<p>Der für mich schwächste Titel der CD  „BOUtIQUE“ fällt mir jetzt logischerweise ein. Auch wenn Matthias „Matze“ Meusel durchgehend ein wunderbar prägnanter Drummer ist und dem Song etwas Profil gibt, &#8211; spätestens beim Refrain ist Roger Cicero mitten im gefälligen, deutschen Schlager angekommen. Das klingt wie die besseren Schlager von Udo Jürgens aus den Siebzigern: „Ein ehrenwertes Haus“  oder „Aber bitte mich Sahne“. Nichts gegen Udo Jürgens &#8211; aber er singt und tourt  immer noch sehr erfolgreich und ich möchte diese Art von Musik wirklich nicht von Roger Cicero hören! „Alle Möbel verrückt“ kam zwar auch in diese Schlagernähe, war aber bei weitem spannender und hatte einen besseren Drive.</p>
<p>Ich weiß, was Cicero kann, z. B.  auch im Jazzbereich! Da tut es mir leid &#8211; aber „BOUTIQUE“ finde ich absolut „nicht artgerecht“  für ihn. Dazu kommt noch ein unprickelnder, banaler Text alá „Mario-Barth-Unterhaltungsniveau“, den das Album mit seinen anderen Texten erfreulicherweise meidet. In so fern passt bei „Boutique“ alles fein zusammen. Man kann den Song bestenfalls „nett“ aber eher  verzichtbar finden. Ein Roger Cicero, der sich mit seiner Musik mehr und mehr zum Schlager oder Pop hin bewegen würde,  könnte nicht mehr mein andauerndes Interesse wecken.</p>
<p>Ein starker, berührender Song, der vom Inhalt her besonders Frauen interessieren könnte, (obwohl er ganz aus männlicher Sicht erzählt wird) ist die Ballade „TABU“. Ich habe „Artgerecht“ häufig über Kopfhörer gehört. Bei „Tabu“ hört man gut, wie groß Cicero’s Stimmumfang ist. Er beginnt den Song ungewöhnlich tief und da hinterlässt seine  Stimme einen anderen, sehr sensitiven und nahen  Eindruck. Der Song steigert sich dramatisch und geht in einzelnen Noten sehr hoch, wobei seine Stimme dann auch die nötige Härte bekommt. Die Aufnahme ist, wie übrigens das ganze Album, hervorragend aufgenommen. Cicero klingt, als ob er direkt vor einem stünde. Verstärkend dazu kommt seine kristallklare, aber immer natürliche  Artikulation der Worte. Natürlich &#8220;schreit&#8221; dieser Song sozusagen nach einem Saxophon-Solo &#8211; und wer könnte das besser spielen als der fantastische Stephan Abel.</p>
<p>Cicero sagte, er habe sich mit diesem Album in jeder Hinsicht ausgetobt. Da ist was dran. Wenn Cicero sich zum Beispiel bei „TABU“ gefühlsmäßig „austobt“, so macht er das rein rhythmisch gesehen bei „Hinterm Steuer“ mindestens ebenso gut! Und seine „fantastische Big-Band“ ist ihm da absolut ebenbürtig. Band und Sänger scheinen sich im Jazzgalopp gegenseitig zu überholen. Der Titel macht ungeheuer Spaß &#8211; auch textlich!  Bewunderungswürdig ist, wie Roger im rasendem Tempo gesanglich den rüden Text meistert.</p>
<p>Mit den  drei noch nicht besprochenen Songs ( „Zu schön um nett zu sein“, „Das ist nicht das, wonach es aussieht“ und „Internet Single Börse“)  kommt Roger zurück zu  seinem  bewährten Swingsound. Schließlich will er die Fans der ersten Stunde nicht verprellen. Es sind frische temperamentvolle Songs, mit wunderbaren, teilweise vor Temperament berstenden Arrangements und wie immer bestens aufgelegter Band.</p>
<p>„ZU SCHÖN UM NETT ZU SEIN“ behandelt das Thema der umschwärmten, scheinbar perfekten Frau. Was sich hinter ihrer Fassade unglückseligerweise manchmal verbergen kann, wird in diesem Song swingend von Roger offen gelegt. Er nimmt den Bewunderern solcher Frauen die Illusion und hält der Urheberin seiner Frustration den Spiegel vor die Nase. Männer müssen inzwischen oft heftige Kritik von der emanzipierten  Frauenwelt einstecken, („Emmas“ Pascha des Monats, usw..), warum nicht mal umgekehrt auf diese heitere Weise:<br />
„ Sie war zu  hoch zu Ross zum Pferde stehlen“ oder  „ Sie war zu hübsch um Spass zu haben“..? Noch einmal wunderbarer Swing im Basie-Sound mit einem prima Trompetensolo von Axel Beineke.</p>
<p>Ganz heißer Swing begeistert mich bei „DAS IST NICHT DAS WONACH ES AUSSIEHT“. Hocherhitzte Bläser, Thomas Zander’s Bariton-Alto, Matze Meusels unerschütterlicher  Drummer-Drive, und eine Percussions-Prise Motown bilden hier eine atemberaubende Fusion. Einfach ein swingendes Highlight, bei dem auch der Text  mit herrlicher Situationskomik wie in einem Film abläuft.</p>
<p>„INTERNET SINGLE BÖRSE“  behandelt ein Thema welches immer stärker unser aller Leben beeinflusst und manchmal schon fast lenkt. Auch hier behandelt der Text die im Netz kursierenden „Lügengebilde“ humorvoll, aber dahinter steckt doch viel Ernst und auch Traurigkeit &#8211; näher besehen. Ein lässig-eleganter Swingtitel, perfekt arrangiert. Roger’s Stimme, mit jeder kleinsten Phrasierung, ist wie  gemacht für solche Arrangements. Alles stimmt! Mit solchen Titeln ist ER unzweifelhaft der Meister. Das kommt so erstklassig: Die Endorphinschübe sind gesichert !</p>
<p>Die abwechselungsreichen  14 Songs wurden auf der CD gut durchmischt. Die musikalische  Vielfalt ist auffällig- besonders, wenn die CD in einem Durchlauf gehört wird. Wenn da manche Stimmen „kritisch“ behaupten, dieses Album wäre bereits Cicero’s dritter „Aufguss“,<br />
liegt so ein negatives Urteil eher an mangelnder  Konzentration und Desinteresse. Ich  mag den Ausdruck &#8220;Aufguss&#8221; nicht, er ist sehr oberflächlich, und kommt immer so praktisch daher, wenn man ihn gerade gebrauchen kann, und wenn man sich nicht mit dem Gegenstand auseinandersetzen will. Das hört sich dann so an, als hätten Musiker und Sänger schnell und lieblos etwas „dahingerotzt&#8221;. Aber so einfach geht das nicht.</p>
<p>Ohne vergleichen zu wollen: Ein Sänger wie Frank Sinatra ist vierzig Jahre lang seiner Musik treu geblieben &#8211; und galt trotzdem als vielseitiger Entertainer in seinem Genre. Bach hat in seiner Musik, seinen  Passionen oder Oratorien immer wieder die gleichen oder ähnlichen Choräle verwandt, kein Mensch würde da sagen: wieder ein Aufguss. Heute werden ständig von den Künstlern „Innovation“ und „Überraschungsbonusse“ verlangt. Ich bin zufrieden, wenn ein Künstler seine Arbeit variiert und sein Niveau hält.</p>
<p>Auf „Artgerecht“ unternimmt  Roger Cicero neben Swing &amp; Jazzverwandtem eben Ausflüge in musikalische Regionen, die ihn von Jugend auf begeisterten, oder inspirierten: Soul, Funk, Motown.  Das ist spannungsreich und größtenteils schafft er das ziemlich gut, weil er natürlich die großen Vorbilder und die musikalischen Eigenarten des Soul kennt. Nicht zuletzt auch, weil er einfach ein guter variabler Sänger ist. Aber als Jazzsänger  überzeugt mich  Roger Cicero mehr &#8211; ich meine: der Jazz passt besser zu ihm. Das hat auch mit seiner Stimme zu tun, die  bestechend klar und „sauber“ ist. Im Grunde hat seine Stimme für Soul und seine musikalische Tradition nicht die richtige  aufgerauhte oder „schmutzige“  Klangfarbe.</p>
<p>Bei Rogers deutschsprachigen Swingaufnahmen sind Big-Band und Stil des Arrangements zudem ein unverkennbares Instrumentarium, welches automatisch die Musik als „Swing“ identifizierbar macht. Beim Soul &amp; Funk ist die Begleitung nicht mehr so eindeutig, sondern vielschichtiger, schwieriger zu gestalten. Anders als beim Swing kommt beim Soulgesang auch die deutsche Sprache weniger stimmig rüber. Da haben wir doch eher Probleme, das automatisch als Soul anzunehmen. Das hat auch mit unseren Hörgewohnheiten zu tun. Vielleicht ist Roger da wieder ein Vorläufer, denn was den Funk angeht, trifft „Spontis zeugen Banker“ voll ins „Schwarze“.</p>
<p>„Artgerecht“ ist bis auf wenige Ausnahmen vielfarbig, interessant und spannungsreich &#8211;  für den Künstler sein bestes Album – für mich wäre sein „Bestes“ noch eher die streng ausgewählte  Essenz all seiner Alben, inklusive seiner Covers.<br />
© Text Werner Matrisch, (Roger Cicero CD erschienen  3. April 2009)</p>
<p>PS:  Weil ich weiß, dass nicht nur Roger Cicero sondern auch sein Texter Frank Ramond &#8221; polarisiert&#8221;,<br />
( das geht von: sehr gut bis schrecklich &#8220;) hier noch ein Satz dazu:</p>
<p>Natürlich kann man die Songtexte im einzelnem diskutieren, und sie<br />
sozusagen Wort für Wort auf die Goldwaage legen. Von Kritikern wird immer wieder bemängelt,<br />
dass Ramond so oft nur &#8220;Klischees bemüht&#8221;</p>
<p>Dieses Argument hat mittlerweile für mich nur noch hohle &#8220;Schlagwortqualität &#8220;.<br />
Warum gibt es überhaupt &#8220;Klischees&#8221; &#8211; nicht gerade deshalb, weil sie eben doch nur zu oft Teile von<br />
Wahrheit oder Realität in sich tragen.<br />
Jeder weiß sofort, was gemeint ist &#8211; jeder erkennt sich oder andere unmissverständlich.</p>
<p>Frank Ramond würde von sich niemals behaupten, dass seine Texte die Aussagekraft und<br />
&#8220;Überlebensqualität&#8221; von Brecht, Rilke oder Tucholsky hätten.<br />
Wer diese Qualität sucht, soll in die Buchhandlung gehen.</p>
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		<title>ROGER&#8217;S NEUER SOUND – GELUNGEN! &#8220;Nicht Artgerecht&#8221; CD Roger Cicero</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Apr 2009 19:07:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Roger Cicero: „Nicht Artgerecht“ (Single erscheint am 20 März 2009).  Darf Roger Cicero, unser Swingstar, jetzt handfesten deutschen Pop singen? Auf seiner neuen Single „Nicht Artgerecht“ hören wir einen Cicero mit ungewohnt neuem Soundgewand. Heftig und laut ergreift er Partei für einen Artgenossen, der im Hobbyraum im Keller bei einem kleinen Stückchen Mozzarella, absolut „nicht ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-684" title="nichtartgerecht-cover" src="http://www.jazzie.net/wp-content/nichtartgerecht-cover-300x262.jpg" alt="nichtartgerecht-cover" width="300" height="262" /><br />
Roger Cicero:  „Nicht Artgerecht“  (Single erscheint am 20 März 2009).  Darf Roger Cicero, unser Swingstar, jetzt handfesten deutschen Pop singen? Auf seiner neuen Single „Nicht Artgerecht“ hören wir einen Cicero mit ungewohnt neuem Soundgewand. Heftig und laut ergreift er Partei für einen Artgenossen, der im Hobbyraum im Keller bei einem kleinen Stückchen Mozzarella, absolut „nicht artgerecht“ gehalten wird. Selbst Greenpeace und die Aktivisten schlagen da Alarm.</p>
<p>Kein Wunder, wenn Roger empört, fast schon wütend die Strophen in einer Art melodiösem Sprechgesang und leichten HipHop-Anklängen hervor bringt. Wer will, kann den Text als amüsante Retourkutsche an gewisse „Erz-Emanzen“ verstehen &#8211; aber die Geschichte ist ebenso witzig unterhaltend und weniger ernst gemeint, wie auch sein Hit „Frauen regier’n die Welt“ <span id="more-683"></span></p>
<p>Mit dem Refrain kommt dann eine Melodie zum Zug, die Hit- aber zumindest Ohrwurmpotenzial in sich birgt. Das ganze ist vielschichtig mit knalligem Sound arrangiert und produziert. Selbst kurze Choreinsätze sind im Hintergrund integriert. Das Ding hat unerhörte Power, ist „Mainstreamkurs“ volle Kraft voraus &#8211; und geht außerdem schnell in die Beine – wer sich danach bewegt, spürt die rhythmische Sogwirkung.</p>
<p>Hört man aber etwas in die Songs der neuen Cicero-CD ( erscheint am 3. April) hinein, braucht man sich nicht zu sorgen: die große musikalische Vielfalt des Vorgängeralbums<br />
„Beziehungsweise“ wird auf „Artgerecht“ offensichtlich noch erweitert und der Swing kommt trotzdem nicht zu kurz. Die Singleauskoppelung wurde deutlich kalkulierend nach Massenkompatibilität und kommerziellen Gesichtspunkten ausgewählt. Im Radio macht sich der Titel gut – ob es ein Hit wird, bleibt trotzdem abzuwarten.</p>
<p>Auf Anhieb mag man diesen Song nicht unbedingt mit dem Roger Cicero identifizieren, wie man ihn bisher kannte. Hört man das Stück allerdings öfter, stellt man fest: Mit diesem Drive und der Power in der Stimme &#8211; das kann nur Roger sein! Insofern sage ich:</p>
<p>Ja, Roger Cicero darf auch &#8220;Deutschpop&#8221; singen, solange das Zuhören soviel Spaß macht !</p>
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		<title>ROGER CICERO –ALLE MÖBEL VERRÜCKT – LIVE</title>
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		<pubDate>Fri, 23 May 2008 06:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Cicero „Live“ ist immer der beste Cicero! Hier mit fantastischem Princecover ( Maxi single: 3 Livesongs, 1 Video) Roger Cicero’s neue Maxi-Single enthält drei Live-Titel aus seiner Beziehungsweise-Konzerttour und ein Video. Und wenn es einen eklatanten Grund gibt, die neue Single dennoch zu kaufen, wenn bereits nächste Woche eine 2-stündige DVD mit dem kompletten neuen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Cicero „Live“ ist immer der beste Cicero! Hier mit fantastischem Princecover ( Maxi single: 3 Livesongs, 1 Video) <a href='http://www.jazzie.net/wp-content/cicero-live.jpg'><img src="http://www.jazzie.net/wp-content/cicero-live-300x266.jpg" alt="Album Cicero Live" title="cicero-live" width="300" height="266" class="alignleft size-medium wp-image-494" /></a><br />
Roger Cicero’s neue Maxi-Single enthält drei Live-Titel aus seiner Beziehungsweise-Konzerttour und ein Video. Und wenn es einen eklatanten Grund gibt, die neue Single dennoch zu kaufen, wenn bereits nächste Woche eine 2-stündige DVD mit dem kompletten neuen Tourprogramm erscheint, ist es die Tatsache, dass zum ersten Male, seit Roger „DER“ Roger Cicero ist, sein sensationelles Prince-Cover „How Come U Don’t Call Me Anymore“ offiziell auf einem Tonträger erhältlich ist. Warum ausgerechnet dieser frenetisch umjubelte Soultitel &#8211; Höhepunkt all seiner Konzerte, NICHT auf der kommenden DVD „Beziehungsweise Live“, enthalten ist, mag spezielle Gründe haben. <span id="more-493"></span></p>
<p>Vergleicht man die aktuelle Liveversion dieses Songs mit Ciceros früherer Fassung mit der Gruppe „Soulounge“, 2004,  ( aus einer Zeit, als Cicero noch ein  sogenannter „Geheimtip“ war ), hört man jetzt eine deutlich nuanciertere und spannendere  Performance, die sich zeitweise vor Dynamik überschlägt. Den ersten Teil des Songs intoniert Cicero fast nur in zunächst glasklaren „Falsett-Tönen. Später wechselt er zu seiner üblichen  Stimmlage, und fusioniert über fünf Minuten hinreißend Jazz-, Soul- und Rock-Idiome zu einer perfekten Einheit! Ein Cicero, der mit soviel Leidenschaft  einen Soultitel singt, &#8211; das ist sicher für viele Liebhaber des überzeugten Hutträgers eine große Überraschung. Aber Roger Cicero hatte bereits vor Jahren mit diesem Song, als Gaststar bei Deutschlands Tastenvirtuosen Joja Wendt, damals noch ohne Hut, einen brillanten Auftritt. (Zu finden bei  „youTube“)   </p>
<p>Wenn dieser  Princesong, der in allen erdenklichen Klangfarben, Tonarten und stark differierenden Lautstärken zu singen ist, eine Herausforderung war, so hat Cicero diese glänzend bestanden. Seine „ fantastische“ Bigband  tut das Übrige, und das ist ungeheuerlich: Wie elf Musiker einen solch knalligen und „fetzig-krachenden“ Bigband-Sound erzerugen, ist einfach grandios!  </p>
<p>Mit diesem Titel konnte Cicero sogar jene Kritiker überzeugen, die sonst seine Musik gerne etwas mokant als „Swingimitate“ abtun.  So soulig und hingebungsvoll sei seine Verehrung für Prince, dass es fast schon akrobatisch scheint&#8230; heißt es da in einer Konzertbesprechung. </p>
<p>Die anderen zwei Titel „Alle Möbel verrückt „ und besonders „ Das Experiment“ beweisen erneut, dass die musikalische Qualität Cicero’s und seiner Bigband live den Studioversionen überlegen ist. Der Jazz ist eben ihre Grundlage, und die Hauptmerkmale des Jazz – die Improvisation und Experimentierfreude, können sich am besten live in Konzerten ausdrücken. „Das Experiment“ z. B. hat im Gegensatz zur Studioversion live einen langen Instrumentalteil, in dem Pianist Lutz Krajenski, diesmal an der Hammondorgel, die Konzerthallen in wahre Hexenkessel verwandelte ! </p>
<p>So ist diese neue Maxisingle Cicero’s schon etwas anders geartet als die Vorgänger, und bietet einen guten Einblick in seine Konzertarbeit.  </p>
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		<title>Konzert-Highlight 2008 !!! Roger Cicero in der Kölnarena 2008</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Apr 2008 23:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[News- Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
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		<category><![CDATA[Jazz News]]></category>
		<category><![CDATA[konzertkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Roger Cicero &#038; Big Band – „ beziehungsweise“ Ein deutsches Konzert-Highlight 2008 !!! Was die Show betrifft: Fantastisch wie immer, grandioser Sound, und wenn’s überhaupt möglich ist – in Details wird die „beziehungsweise Tour“ immer noch ein wenig verbessert, effektvoller inszeniert. Eines zeigte das Konzert besonders deutlich: Live gespielt sind alle Songs noch besser als ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roger Cicero &#038; Big Band – „ beziehungsweise“ Ein deutsches Konzert-Highlight 2008 !!! Was die Show betrifft:  Fantastisch wie immer, grandioser Sound, und wenn’s überhaupt möglich ist – in Details wird die „beziehungsweise Tour“ immer noch ein wenig verbessert, effektvoller inszeniert.  Eines zeigte das Konzert besonders deutlich: Live gespielt  sind alle Songs noch besser als die Studioversionen auf den Cicero CDs!!<br />
Das musikalische Niveau ist vielschichtiger und spontaner. Roger erhöht in seiner Liveperformance stark den „Jazzfaktor“. Natürlich treten auch die Solisten stärker hervor und bekommen auffallend viel Applaus.  </p>
<p>Sechs –oder Siebentausend Besucher der Kölnarena konnten eine energiegeladene, hochprofessionelle, gutgelaunte Vorstellung in vollen Zügen genießen! Alle waren wieder hingerissen von dieser Musik!!! <span id="more-469"></span></p>
<p>Eine interessante Meldung wurde von Roger gleich zu Beginn des Konzertes mit Stolz verkündet: Peter Herbholzheimer sei unter den Gästen und es wäre überhaupt dass erste Mal, dass er in der Kölnarena sei. </p>
<p>Sicher war das auch eine zusätzliche Motivation für Roger + Band, all ihre großartigen Fähigkeiten besonders toll zu präsentieren. Denn Herbholzheimer, Deutschlands renommiertester Bigband-Leiter und erstklassiger Musiker, Arrangeur und Komponist, hört mehr als alle Besucher, und hört auch mehr, als Fans, die zigmal diesen Konzerten beiwohnten.</p>
<p>Bei mir waren es bescheidene dreimal – und nach Köln sage ich: es ist doch schöner, ganz vorne, und im „Club“ der Fans zu sitzen! Roger kann sich nicht beschweren über uns: Von ganz Deutschland sind seine treuen Fans, die unermüdlichen Roger &#038; Band-Enthusiasten, wieder angereist: Ob von München, Kiel, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Neuss, Bochum, Frankfurt, Koblenz, Solingen, &#8230;usw: Sie waren alle wieder dabei !</p>
<p>Aber nicht nur wir haben da vorne in den ersten Reihen für eine Superstimmung gesorgt. Nach der Pause, wo das Konzert an Intensität und Vielschichtigkeit zunimmt, wo jeder Song ein Highlight für sich ist, da sind die Kölner doch ganz schön aus sich heraus gegangen. Wenn wir da vorne „tobten“ habe ich mich immer mal wieder in der Arena umgesehen, und registriert, dass über alle Sitzblöcke hinweg bis in die oberen Ränge, viel Bewegung war und heftig applaudiert wurde. Die Arena sah übrigens fast „voll besetzt“ aus. Immerhin war es innerhalb der letzten vierzehn Monate das bereits dritte Cicero-Konzert in Köln. Das macht ca. 20.000 Besucher!!! </p>
<p>DRASTISCHER STIMMUNGSWECHSEL</p>
<p>Bei Roger Cicero kann man wieder nur staunen über seine während ca. Zweieinhalbstunden nicht nachlassende  Power,  und seine musikalische Perfektion. </p>
<p>Aber die interessanteste Phase innerhalb Rogers gesanglicher Leistung sind sicher die zwei Songs „How come you don’t call me anymore” und “Ich hätt’ so gern noch Tschüß gesagt”.</p>
<p>Zwei Song, die gegensätzlicher nicht sein können, folgen unmittelbar hintereinander. Der erste dieser zwei Songs fordert von Cicero eine gesangliche Hochleistung ohne Beispiel. Der zweite tut dies ganz auf der Ebene der tiefempfundenen Emotion. Beim ersten, dem Princesong,  wo so viele Töne in allen nur erdenklichen Klangfarben, Tonarten und stark differierenden Lautstärken zu singen sind, wird diese Perfektion besonders deutlich. Es kommt mir vor, als ob er einen Computer eingebaut hätte, und er sich per Mausklick jede Note die er gerade braucht, einfach abruft&#8230;..Unglaublich. Dabei klingt diese Perfektion nicht eine Sekunde kalt, langweilig oder zu routiniert. Die Freude und Schönheit der Musik klingt immer wieder neu und fasziniert.  </p>
<p>Wie Roger Cicero diesen geradezu drastischen Stimmungswechsel musikalisch und rein emotional dann bei  „Ich hätt’ so gern noch Tschüoß gesagt” meistert, verlangt allergrößte Bewunderung. Und die bekam er – nach dem Princesong wurde er stürmisch gefeiert. Nach der Hommage an seinen Vater gab es einen Moment der Stille,&#8230; und dann setzte ein langer, nachhaltiger Applaus ein. Man konnte fühlen, das die Menschen engagiert mit Konzentration gelauscht hatten, und ihm nun überzeugt die volle Anerkennung zukommen ließen. </p>
<p>Matthias „Maze“ Meusel hat in Köln mit seinem langen Schlagzeugsolo eine musikalische Meisterleistung vollbracht! Ein ungeheuer virtuoses und sich in Intervallen oft neu steigerndes Solo voller Anspannung war das – und in dieser Art war es ein interessantes genaues Gegenstück zum Solo in Oberhausen! Ein Beweis für seine Vielseitigkeit! Der Beifall in der Arena war orkanartig!</p>
<p>Beim furiosen Instrumentalteil von “Das Experiment“ schleicht Lutz sich neuerdings von hinten, tänzelnd  wie ein kleiner Kobold auf seine Hammondorgel zu und setzt sie dann mit satanischem Grinsen in Brand. Wir kennen das ja, wenn seine Orgeltöne von den Haarspitzen bis zum große Zeh unsere Körper durchschauern. </p>
<p>Ein großes Lob an den/die Tontechniker! Letztes Jahr im August, war im vorderen Bereich der Sound nicht so optimal. Es gab zuviel Hall, wodurch es schwierig wurde, den Texten akustisch zu folgen. Diesmal war der Sound perfekt – einfach ein Hochgenuss! Und wieder wurde mir auch klar, wie genial die Big Band-Arrangements von Lutz Krajenski sind! In diesem Sound kann man euphorisch „ baden“, der ist nicht mehr steigerungsfähig! </p>
<p>Erwähnen möchte ich auch das bestens getimte Solo vom Bassisten Hervé Jeanne. Bevor Rogers Hit, ( O-Ton Roger: „ mit dem alles anfing&#8230;), „Zieh’ die Schuh aus“ ansetzt, bringen Hervé und Roger dann ein herrlich ungewöhnliches  und eindeutiges „Jazzduett“. </p>
<p>Rogers  „Medleyzugaben“ am Ende zündeten wie eine Explosion. Da legen alle noch einmal richtig los – auf der Bühne geballte Energie ohne Ende&#8230;.. und auch in der Arena nur noch begeistertes Klatschen, kreischen und Brüllen !! </p>
<p>Junge Menschen entdecken Big Band und  Swing für sich!!<br />
Und wenn ich dann bei den Zugaben vorne direkt an der Bühne unter ganz jungen Menschen stand und deren Begeisterung für diese Musik miterlebte, dann kann ich nur sagen: ROGER &#038; BAND &#8211; toll, das ist euer Verdienst! </p>
<p>Ihr habt es wirklich geschafft, dass sich die Ohren der üblicherweise fast ausschließlich pop -und rockkonsumierenden jungen Leute für diesen fantastischen Big Band Sound öffneten! Und das wirklich mit ganz großer Emotion und Faszination! </p>
<p>Sie begeisterten sich nicht nur für Rogers mitreißenden Gesang, sondern auch für die Band und ihre Solisten! Das ist relativ erstaunlich &#8211; ich hoffe, dass dieser Trend anhält – auch für die nächste Phase in Ciceros Karriere.<br /><img src='http://www.jazzie.net/wp-content/werner-cicero.jpg' alt='werner-cicero.jpg' /></p>
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		<title>Roger Cicero &amp; Big Band in Aachen:</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Mar 2008 13:47:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werner's Jazz Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[aachen]]></category>
		<category><![CDATA[cicero]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz News]]></category>
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		<description><![CDATA[Von der „seriösen“ Presse bis zu den mindestens ebenso zahlreichen Berichten der treuen Fans, ist schon so unendlich viel über die aktuelle „ beziehungsweise“ Tournee geschrieben worden, dass es für mich sehr schwer ist, Neues zu berichten. Am ehesten kann hier höchstens noch meine ganz subjektive Meinung stehen, und es wird auch nur ein kleiner ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von der „seriösen“ Presse bis zu den mindestens ebenso zahlreichen Berichten der treuen Fans, ist schon so unendlich viel über die aktuelle „ beziehungsweise“ Tournee geschrieben worden, dass es für mich sehr schwer ist, Neues zu berichten. Am ehesten kann hier höchstens  noch meine ganz subjektive Meinung stehen, und es wird auch nur ein kleiner Bericht werden.</p>
<p>(Euphorie, halt dich zurück, damit man mich ernst nimmt ! LOL)<br />
<span id="more-450"></span><br />
Alles was ich in meinen früheren Rezensionen speziell zu Ciceros Stimme und  Gesang geschrieben habe, hat sich natürlich auch im Aachener Konzert bestätigt.  Ich fand seinen Gesang sogar noch energiegeladener und engagierter, als während der „Männersachen“ Tour. Man muss wohl sehr lange in Deutschland suchen, bis man einen anderen Sänger findet, der mit soviel Hingabe, Dynamic, Professionalität und nicht endender  Begeisterung Zweieinhalbstunden auf der Bühne agiert.  Er hat mit solch einem Einsatz gesungen, als wäre es sein LETZTES Konzert. Diese Power hatte für mich manchmal schon beängstigende Ausmaße:  wie lange hält er das noch durch?.</p>
<p>Beim Signieren sagte ich ihm mit verstellt ernster Miene: „ ich war heute sehr zufrieden mit dir! “  woraufhin er amüsiert lachte und meinte so was in der Richtung wie:  „ oh, da geht noch mehr“!</p>
<p>Was kann man über ein Konzert besseres sagen als dies:  Jeder, und ich meine wirklich JEDER der gespielten Songs war besser als die Studioversionen der CDs.(  die ja nun wahrlich nicht schlecht sind!) Die Arrangements sind in ihrer Liveversion oft verändert, und erweitert  zu Gunsten des Jazzfaktors und der häufigen Soli. So wurde jeder Song noch einmal veredelt, um das Optimale aus ihm heraus zu holen.  Und so sei es !</p>
<p>Die Männersachen Tour, so gut wie sie war, ist getoppt. Das neue Programm ist musikalisch erstens vielseitiger. So kann sowohl die Band wie Roger mit einer noch größeren Bandbreite all ihrer  künstlerischen Fähigkeiten für diverse  Musikrichtungen beeindrucken.</p>
<p>Zweitens ist die gesamte Lichtinstallation, bzw. Beleuchtungsregie raffinierter auf die jeweiligen Titel bezogen, und unterstützen diese sinnvoll in ihrer Wirkung. Auch die Einrichtung eine kleinen „ Showtreppe“  hat ihren Effekt, selbst wenn Roger nur auf den Stufen sitzt, und eine Ballade singt.</p>
<p>Drittens: Rogers Auftritt ist durch die große Sicherheit ( inklusive kleiner Tanzschrittchen, LOL) noch überzeugender geworden. Diese wunderbare, großartige Stimme  hat er schon lange, aber diese unendlich vielen Konzerte der letzten 12 Monate  wirken wie ein Training, welches  in einer Art Perfektion gipfelt, die Routine „Gott Sei Dank“  noch nicht  sichtbar werden lässt.</p>
<p>Nach wie vor zieht er sein Publikum in den Bann durch seine eigene tiefsitzende Begeisterung für die Musik, &#8211; für den unbändigen Swing, Drive  und Rhythmus! Er  reißt uns alle in diesen vitalen und virtuosen Soundstrudel, in dem seine grandiose Band ihm ebenbürtig ist. Die ist  so verdammt gut, dass ein Kritiker schrieb, sie stehle  Roger Cicero die Show! So weit würde ich nicht gehen, aber dass sie sich „ abwechselnd“ die Show stehlen, ja  dass kommt vor!  Fazit: besser geht’s nicht!</p>
<p>Noch ein Wörtchen zu Grönemeyers „Männer“. Ich finde Rogers Version fantastisch. Das  neue Arrangement von Lutz Krajenski ist umwerfend. Ein völlig neuer Song wurde kreiert, und was der gute Lutz dem Roger damit zumutet, ist allerhand. Es war möglicherweise der jazzigste Song des  Konzertes. Es groovt und swingt wie der Teufel ,- wechselnde Rhythmen, halsbrecherisch und von aufpeitschender Power. Sinnlos, nach Grönemeyers Version zu suchen oder nur daran zu denken&#8230; Das war Jazz Pur! ( wie ich es besonders liebe) .</p>
<p>Das Konzert mit „Die Liste zu starten, ist gut gewählt. Wie gut der Titel ist, hört man am ehesten „ live“, weil der volle Sound  einer Big Band eben live am besten klingt und bei dem Song ist sie unausgesetzt im Einsatz! So kann man den Song eben doch nicht zu hause im Wohnzimmer hören&#8230;..</p>
<p><strong>Zu meinen persönlichen Highlights des Abends gehören: </strong></p>
<p>„Das Experiment“ ( wie könnte es anders sein, bei diesem langen und überschäumenden Instrumentalteil: Lutz schafft uns alle mit seiner Hammond-Orgel!</p>
<p>„Männer“ . Nimm deinen Kerl zurück“   „Ich hätt’ so gern noch Tschüß gesagt“  ( wer hier nicht von Rogers  Gesang überzeugt,  ist, dem ist nicht zu helfen).  Das gleiche  gilt für den Prince Titel..!!!!   „Wenn sie dich fragt“   ( immer wieder mitreißend, und Matthias hat sein bombiges Solo!)  „Mein guter Stern auf allen Wegen“  , das Duett mit Bassist Hervé, ,<br />
Ich atme ein,  Schöner war’s ohne,&#8230;&#8230; und alle anderen auch  ! LOL.</p>
<p>Auf unserem Platz war  die Soundqualität übrigens hervorragend. Der Sound war bei manchen Songs oder Songpassagen in „meine Ohren“ sogar von traumhafter Qualität.</p>
<p>Großen Dank an dieser Stelle an Roger und seine Band!!!  Es war ein wunderbares Konzert, und  vielleicht habt ihr Euch besonders angestrengt, weil es vom WDR 4 aufgenommen wurde???</p>
<p>Na, ich hoffe, ihr seid am 11.  April in Köln genauso gut!!!   Ich freue mich darauf.</p>
<p>Sincerely Werner</p>
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