Roger Cicero: Männersachen Live - DVD Rezension

(Werner Matrisch Köln) -

Besser geht’s nicht – Cicero & Band machen süchtig!

Wer schon einmal in einem Roger Cicero Konzert war, weiß es längst: Cicero und Big Band, Big Band und Cicero, sind eine Einheit. In ihrer perfekten Übereinstimmung und Ergänzung ist diese Kombination von den elf Musikern und einer Stimme ein Glücksfall. Die Musiker funktionieren nicht als Begleitung, sondern stellen gleichrangig mit dem Solosänger die volle Substanz der musikalischen Darbietung. Weil Cicero das genau weiß, bedankt er sich gerne und häufig ( und zu Recht) bei „ der besten Band der Welt“…dvdcicero.jpg

Man muss es sagen: Das Projekt „Männersachen“ hat eingeschlagen wie eine Bombe. Letzter Höhepunkt nach der Platin CD, ausverkauften Konzerten und Sieg beim deutschen Grand Prix Vorentscheid ist der gerade verliehene ECHO Preis für Cicero. Und wie immer man diesem Projekt „Männersachen“ auf CD gegenüber steht,….. selbst der kleinste kritische Ansatz verliert seine Relevanz angesichts dieser fulminanten Live - Präsentation! Das wird klar, je länger man das Konzert sieht, und besonders deutlich bei zwei, musikalisch sehr gegensätzlichen Glanzlichtern des Livemitschnitts, die direkt eines nach dem anderen erfolgen: Der Song „Tausendmal Berührt“ hat zunächst ein zartes, leise gesungenes Intro, aber sehr schnell entwickelt sich der Titel zum aufwühlendem, temporeichen Liebesbekenntnis: ..und es hat „zoom“ gemacht“… singt Cicero mit explosiver Hingabe. Mit seinen elf Big-Band-Mannen musikalisch geradezu verschmolzen, steigert sich der Song zur orgiastischen Synthese von Stimme, Bläsern, Bass, Schlagzeug und Piano.

Wenn eine Big Band „ fetzen“ kann, dann diese!

Weit entfernt von einer Art biederem Swingorchester, welches jede Oma lieben würde, erinnert dieser Auftritt viel mehr an die späte Count Basie Band oder auch an die glamourös-strahlenden Big-Band-Arrangements von Peter Herbholzheimer. Das hat einfach Weltklasse!

In der darauffolgenden Soul-Ballade „ Ich Atme Ein“, kann beobachtet werden, wie souverän Cicero mit kaum zu steigernder Intensität von der Trostlosigkeit verlorener Liebe singt. Das ganze Klangspektrum seiner Stimme setzt er ein. Und er ist immer dann am besten, wenn der Song ihn fordert. So kann er seine Stimme in allen Nuancen aussingen, und mit seiner Stärke, den dynamischen Kontrasten seines Gesangs, überwältigen. Der Adrenalinspiegel steigt ! Wie kompakt auch der volle Big Band Sound ist: Roger Cicero muss nie „dagegen ansingen“, er wird nie vom Sound erdrückt.
Weitere Superlative zu Cicero’s erstaunlichem Stimmpotential (über 3 Oktaven) und seinem musikalischem Einfühlungsvermögen muss ich hier nicht weiter anführen. Entweder man hört es , oder man hört es nicht,…(Letztere sollte man nicht zu ihrem Glück zwingen…..)

Und auch in diesem Song stehen die Musiker der Leistung Ciceros in Nichts nach. Es ist unnötig und unrichtig, einzelne Musiker hervorzuheben, denn jeder ist hervorragend. So hören wir auf dieser DVD auch immer wieder beeindruckende Soli: vom befeuernden Schlagzeugwirbel, zum expressiven Saxophon -oder Trompetensolo bis hin zum tief –und satt tönendem Bass. Natürlich spielt auch der Pianist und Arrangeur, ein wunderschönes Solostück.

Die Roger Cicero Live DVD bietet ein volles Programm

Die DVD bietet ein pralles Programm von über 140 Minuten mit viel Bonusmaterial ( u.a. drei Videos), und dem kompletten Konzert aus der Alten Oper Frankfurt. Das reine Konzert umfasst neunzehn Titel, inklusive der Zugaben. Zu jedem Song macht Cicero in seiner unaufdringlich charmant-lässigen Art eine kleine Einführung. Auf der Bühne ist er überwiegend zwar „stimmlich ein Derwisch“,.. aber nicht unbedingt körperlich. Er springt schon mal mit Elan in die Höhe, und wenn ihn der Rhythmus packt, schlägt er gerne seine linke Hand heftig im Takt dazu. Sieht man nur sein Gesicht, spürt man augenblicklich, wie engagiert Cicero „dabei“ ist. Deswegen braucht man hier auch nicht lange von der Authentizität des Künstlers Cicero zu sprechen: Sie äußert sich in der unwiderstehlichen Ehrlichkeit jeder gesungenen Note.

Viel wurde seit der Veröffentlichung von „Männersachen“ geschrieben, und am meisten wurde die einfache Formel vom „Swing mit deutschen Texten“ verbreitet. Klar, weil sich immer die simpelste Kategorisierung durchsetzt. Aber diese Formulierung trifft es nicht richtig. Cicero und Band haben mit ihrer Musik, dieser Kombination von modernen Big Band-Sound, einer Stimme die im Spannungsfeld von Pop, Vocaljazz, und Soul fantastisch jongliert, und den zeitgemäßen, clever-augenzwinckernden Texten etwas ganz Eigenes geschaffen. Den Cicero-Sound. Das unverwechselbare Markenzeichen dieses neuen Sounds definiert sich auch durch die maximale Energie des Vocalisten Cicero, die er in jeden Song einbringt.

Die Konzert-DVD zeigt außerdem noch etwas sehr Schönes:
Diese Musik besticht durch hohes musikalisches Niveau und blendende Technik aller Beteiligten; sie hat aber nicht Verstelltes, Verquältes, keine bemühten, pseudointellktuellen Aussagen. Der Spass und die Freude an der Musik und am Musizieren sind jede Sekunde nachvollziehbar.
Vorläufiges Fazit: Besser geht’s nicht… Cicero & Band machen süchtig!!

Kommentare

This entry was posted on Montag, März 26th, 2007 at 13:50 and is filed under Werner's Jazz Rezensionen. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Zum Ende springen und Antwort schreiben. Ping ist nicht mehr erlaubt.
5 Kommentare

  1. Packie am März 26, 2007 13:59

    Kompliment lieber Werner! Steilvorlage für das Management von Roger Cicero. Damit dürfte die DVD ein Verkaufsknüller werden.Ich liebe Deine Betrachtungsweise und wenn man die mit sehr viel Liebe geschriebene Rezension liest, muß man sofort in den Besitz dieser Scheibe gelangen. ich habe Sie noch nicht, werde das aber nachholen.

    Wobei mir gestern bei der Verleihung des Echo aufgefallen ist das der Titel für den Grand Prix nicht so gelungen ist und die internationale Jury des Grand Prix da sicher ähnlich reagieren wird wie das Publikum im Saal. Da haben andere Band mehr Applaus bekommen.
    der Packie

  2. Werner am März 26, 2007 14:22

    Hi Packie, danke für deinen Kommentar.
    Gegner von Cicero haben mir mal geschrieben, ich würde Cicero ” fast vergöttern”.
    Das ist richtiger Quatsch! Ich vergöttere niemanden. Ja , ich bemühe mich, immer zu begründen, warum ich etwas gut finde,… und außer meinem subjektiven Geschmack erkläre ich auch, was die Qualität ausmacht. Versuche es wenigstens.
    Dann finde ich auch, dass viele unserer ” gestrengen Journalisten in der Presse Schwierigkeiten haben, zu loben! Immer müssen sie noch ein Körnchen finden, und darauf rumhacken. Wenn etwas gut gemacht ist, sollte man großzügig Lügen.
    Mit dem Grand Prix Titel hast du recht,..in gewisser Weise. Beim Vorentscheid war die Vorstellung von Cicero besser.
    Ich glaube, die letzten Monate waren für ihn ziemlich heftig!
    Ein irres Pensum! Er hat den Song schon mal besser gebracht. Auch auf der DVD ist er besser.Man konnte ihm auch seine Nervosität und Angespanntheit bei der Preisverleihung anmerken. Das war eben ehrlich seine Verfassung. Er konnte kaum lächeln obwohl er doch strahlen müsste, ( von Ohr zu Ohr) LOL . Der Song ist bei weitem nicht sein stärkster, und doch, hört man ihn öfter, er hat was.
    Gruss Werner

  3. Werner am März 26, 2007 16:33

    Oh, ich meinte natürlich: man sollte großzügig “LOBEN”
    (Mein Verschreiber oben ist allerdings köstlich… wenn das mal niemand als ” Freudsche fehlleistung definiert….)
    Werner.

  4. Heinz am März 26, 2007 16:38

    He Werner
    du bist aber ein echter Fan von Cicero.So richtig durch und durch was?
    Bin ja eher Fan von Al Jarreau, aber Roger Cicero hat auch etwas besonderes in seiner Stimme.Man kann es schlecht vergleichen, das wäre Äpfel mit Birnen aber bei den deutschen Jazz Sängern ist er einfach die Nummer 1.
    Ich habe die “Männersachen” CD und finde Sie auch toll.

    :-) Heinz

  5. Werner am März 27, 2007 07:22

    Hallo Heinz,

    von Al Jarreau und auch andere Jazzsänger ( Jamie Cullum!!!!!)
    habe ich alles im Regal. Bin ein Riesen Jazzfan, und auf Cicero kam ich erst durch sein ausgezeichnetes Album mit After Hours: There I Go ( 2005)
    Das ist völlig anders als Männersachen, mehr modern Vocal Jazz, und das beste an Jazzgesang, was ich jemals aus Deutschland gehört habe….Trotz des Riesenerfolges von Männersachen hoffe ich sehr, dass Cicero noch einmal ein ambitioniertes Jazzprojekt ( vielleicht mit Till Brönner??)
    in Angriff nimmt. Aber momentan hat er so einen gewaltigen Erfolg, den würde er niemals mit einem reinen Jazzalbum haben….
    Trotzdem sollte man “Männersachen” diesbezüglich auch nicht “unterschätzen”.

    Gruss Werner

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite

XHTML: Diese HTML Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Schreib Deine Nachricht hier